Dienstag, 17. November 2009

Once upon a time in the west


dicke fette Kröte, die kurz danach von allen Seiten Hundegebell um die Ohren gekriegt hat

Javier und Birga üben Lassowerfen

SchweiniSchweini und die Mexikoflagge

Sternfrüchte am Sternfruchtbaum

Vanilleschote an Mandarinenbaum

Taranti- Taranta- Tarantula

morgens auf der Wiese

Der Great-Whirlpool-River

echter Kaffee

Silvi und ich putzen Zähne

Kühe mit Maracuya füttern

Pacos Onkel Rafael empfängt uns am Gatter und befestigt Taschen auf dem Esel


früh morgens

Unser Schlafraum von innen

die Lagerfeuerglut ist bereit fürs Stockbrot

Paco und Konrad

Das letzte Wochenende könnte unter dem Titel "Back to Nature" oder "Once upon a time in the west" stehen. Paco, ein Bekannter von uns, hat Silvia, Birga und mich eingeladen, über das Wochenende mit auf die Ranch von seiner Oma und seinen beiden Onkels zu kommen. Wir dachten: warum nicht? und sind mit. Außerdem waren dabei: Konrad, ein Engländer und Javier, ein Freund von Paco und Pacos Mutter und Tante. Mit zwei Autos sind wir am Samstag morgen früh richtung Arroyofrio aufgebrochen. Nach zwei Stunden kurviger Fahrt, vorbei an Naolinco und wunderschönen Abschnitten mit einer irren Aussicht und 700 Meter tiefen Schluchten sind wir dann in Arroyofrio angekommen. Das war aber noch nicht das Ende der Reise. In dem kleinen Örtchen mit seinen paar Häusern, das ansich schon an einer sehr abgelegenen Schotterstraße liegt, haben wir die Autos geparkt und sind dann mit Sack und Pack zu Fuß weitergestiefelt, bis wir irgendwo im Nirgendwo an einem Gatter ankamen, wo schon Pacos Onkels mitsamt Esel und Pferden auf uns warteten. Der Esel wurde mit einem Teil unserer Taschen beladen und dann gings hoch den Berg. Ca. eine dreiviertel Stunde sind wir holprige schmale Pfade und hochbewachsene Wiesen entlang gegangen (bzw. die anderen, ich saß aufm Pferd hehe), vorbei an lustig bewachsenen Bäumen mit Vögeln darin, die komische Laute von sich gaben. Irgendwann tat sich dann vor unseren Augen die Ranch auf: Ein aus dicken Holzbrettern gebautes Haus mit vielen Bäumen drumherum und nach hinten raus eine unendlich weite und hügelige Wiese mit unfassbarem Ausblick. Außer dass keine Tannen dort wuchsen hat mich die Landschaft mit ihren Felsen und Flußbetten stark an die von Brokeback Mountain erinnert. Wir sind erstmal wie von der Tarantel gestochen auf die Wiese gerannt und haben große Steine angehoben, auf der Suche nach Taranteln. Und sind tatsächlich fündig geworden und haben natürlich Fotos gemacht von dem possierlichen Tierchen. Ich mit meiner Spinnenangst fand es garnicht schlimm, der Tarantel ganz nah zu sein (boooaaah wie klingt das denn jetzt?). Aber Birga hatte die richtige Erklärung: Wahrscheinlich weil wir gezielt gesucht haben und sie in ihrem normalen Umfeld gefunden haben und sie nicht unverhoffter Weise in der Badewanne aufgetaucht ist oder sowas. Hm...also Spinnenfobie doch noch nicht überwunden? Als nächstes war Cowboy-Lasso-Schwingen an der Reihe. Javier macht das einigermaßen professionell und nimmt manchmal an Wettbewerben teil und hat uns Lassowerf-Unterricht gegeben. Ein paar Meter weiter lag ein riesiges Schwein an einen Baum angeleint in der Sonne. Das hats echt verdammt gut...seinen kleinen Graben zum Baden direkt neben dem Baum und ständig Leute, die vorbeikommen und ihm Zuckerrohr schenken. Apropos Zuckerrohr: Schon kam Pacos Onkel Rafael mit der Machete an und ist mit uns zu seiner kleinen Zuckerrohrplantage gegangen. Da wurde dann erstmal einer der großen, ca. 3 Meter hohen Halme mit ca. einem Durchmesser von dieser Linie:-------------------------
gefällt und selbstverständlich auch mit der Machete geschält und schon hatte jeder ein Stück Zuckerrohr zum auslutschen. Es war wirklich unglaublich, was dort alles wuchs, ich habe noch nie so viele aufregende Pflanzen an einem Fleck gesehen: Pfeffer (davon haben wir ein paar Körner mit nach Xalapa genommen), Mimosen (die haben ganzschön rumgememmt und sich mal wieder zurückgezogen), Maracuyas (davon haben wir auch welche mitnehmen dürfen), Mandarinen, Limonen, Orangen, (davon machen wir jetzt täglich Saft) Vanilleschoten (waren allerdings noch nicht reif), Kakao (trug auch noch keine Früchte), roter Weihnachtsstern (das was wir in Deutschland zu Weihnachten auf dem Tisch haben wuchert da an riesigen Sträuchern), diverse Chillisorten (die uns manchmal die Zunge betäubt haben), 2 verschiedene Bananensorten (die normalen und dann noch welche mit einer roten Schale, geschmacklich nicht zu verachten), Sternfrucht, Papaya, Ingwer und natürlich Kaffee. Außerdem noch ein Baum mit grünen Blättern die so aussahen wie die Blätter eines Ahornbaums, aus denen Pacos Tante Irma immer einen richtig leckeren grünen Saft gemixt hat (wir haben sie liebevoll Hexe genannt, aber sie hat damit selber angefangen hehe).
Der erste Tag endete damit, dass jeder von uns eine Westernreitstunde von Javier bekam und dann haben wir ein Lagerfeuer gemacht. Das tat so richtig gut, absolut back to the roots. Ich habe das gebraucht, mal wieder etwas in der Natur zu sein. Und als dann der Sternenhimmel immer sichtbarer wurde, haben wir ziemlich viele Sternschnuppen gesehen. Nach 15 Sternschnuppen sind mir schon fast keine Wünsche mehr eingefallen, weil einfach das bloße unter Sternen am Lagerfeuer sitzen schon sehr glücklich gemacht hat. Am nächsten Tag gab es dann ein richtiges Landfrühstück mit Longanizo (gebratene Wurst), Bohnen, Salsa und selbstgebackenen Tortillas von der Oma. So ein Kraft-Frühstück war aber auch nötig bei DEM Tagesprogramm. Erstmal sind wir auf den Berg direkt am Haus geklettert und haben die Vitaminversorgung der Kühe mit Orangenschalen gesichert. Meine "typischer Organgenverkäufer aus Xalapa"-Rufe (NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA )ließen die Kühe leider ziemlich kalt und unbeeindruckt. Trotzdem haben sie sich über die Vitaminbombe am frühen Morgen gefreut.
Dann haben wir uns startklar für die Flußexpedition gemacht. Auf zum Great River. Die Wiesen und Berge sind wir bis zum Gatter zurück gelaufen, zurück ins Dorf und von dort aus dann mit dem Auto zum Fluß. War absolut genial, der Fluß war relativ niedrig und hatte viele Wackersteine und trotzdem einige Stellen zum schwimmen. An einer Stelle ist ein leicht erhöhter Flußarm in den Hauptfluß geflossen und genau an dieser Kante war dann unser natural Whirlpool. Nach Flußkrebssuche mit Taucherbrillen und auf Steine rauf- und runterklettern und sich auf warmen Steinen wärmen und Angst davor in Seeigel oder Flußkrebsscheren zu treten haben wir dann langsam wieder den Rückweg angetreten. Als wir wieder oben an der Ranch ankamen, war es schon fast dunkel. So gerade haben wir es also noch geschafft, beim Aufstieg etwas sehen zu können. Sonst wäre das bei diesen stockfinsteren Nächten da oben kein Spaß gewesen. Wie so hungrige Bären haben wir die selbstgebackenen Bunuelos von Pacos Mama in uns reingestopft. Und später gabs dann wieder ein Lagerfeuer und diesmal mit Stockbrot. Hat nur so mittelmäßig geklappt, irgendwie hätte der Teig noch Hefe oder sowas gebraucht, war etwas pappig. Egal, hat schön nach Rauch geschmeckt ;)
Am nächsten Tag hat der Onkel Rafael Birga und mir nochmal eine zweistündige Führung gegeben in der er uns alles zu den dort wachsenden Pflanzen erklärt hat. Und dann haben wir die Kühe die bald Mama werden mit Maracuyas gefüttert.
Das, was mich an der Ranch so fasziniert hat, ist dass man dort vollkommen unabhängig lebt: Die Früchteauswahl könnte ja nicht besser sein, es wächst Mais für Tortillas und sorgar den Kaffee ernten sie selber, jagen ihn durch eine Mühle in der er von seiner Hülse getrennt wird, rösten die Bohnen und mahlen sie dann. Es war einer der besten Kaffees meines Lebens. Der Strom kommt aus Solarzellen und das Wasser aus der Quelle am Berg. Alles ist selbstgebaut und manches etwas provisorisch, aber es funktioniert perfekt.

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