Da sitze ich ahnungslos im Gras und lese vorbildlich "Los bandidos del Rio frio", da setzt sich unverhofft Flip auf meinen Flip-Flop. Haha, der alte Scherzkeks war wohl gut aufgelegt!
Montag, 23. November 2009
Flip auf meinem FlipFlop
Da sitze ich ahnungslos im Gras und lese vorbildlich "Los bandidos del Rio frio", da setzt sich unverhofft Flip auf meinen Flip-Flop. Haha, der alte Scherzkeks war wohl gut aufgelegt!
Dienstag, 17. November 2009
Once upon a time in the west
dicke fette Kröte, die kurz danach von allen Seiten Hundegebell um die Ohren gekriegt hat
Javier und Birga üben Lassowerfen
SchweiniSchweini und die Mexikoflagge
Sternfrüchte am Sternfruchtbaum
Vanilleschote an Mandarinenbaum
Taranti- Taranta- Tarantula
morgens auf der Wiese
Der Great-Whirlpool-River
echter Kaffee
Silvi und ich putzen Zähne
Kühe mit Maracuya füttern
Pacos Onkel Rafael empfängt uns am Gatter und befestigt Taschen auf dem Esel
früh morgens
Unser Schlafraum von innen
die Lagerfeuerglut ist bereit fürs Stockbrot
Paco und Konrad
Das letzte Wochenende könnte unter dem Titel "Back to Nature" oder "Once upon a time in the west" stehen. Paco, ein Bekannter von uns, hat Silvia, Birga und mich eingeladen, über das Wochenende mit auf die Ranch von seiner Oma und seinen beiden Onkels zu kommen. Wir dachten: warum nicht? und sind mit. Außerdem waren dabei: Konrad, ein Engländer und Javier, ein Freund von Paco und Pacos Mutter und Tante. Mit zwei Autos sind wir am Samstag morgen früh richtung Arroyofrio aufgebrochen. Nach zwei Stunden kurviger Fahrt, vorbei an Naolinco und wunderschönen Abschnitten mit einer irren Aussicht und 700 Meter tiefen Schluchten sind wir dann in Arroyofrio angekommen. Das war aber noch nicht das Ende der Reise. In dem kleinen Örtchen mit seinen paar Häusern, das ansich schon an einer sehr abgelegenen Schotterstraße liegt, haben wir die Autos geparkt und sind dann mit Sack und Pack zu Fuß weitergestiefelt, bis wir irgendwo im Nirgendwo an einem Gatter ankamen, wo schon Pacos Onkels mitsamt Esel und Pferden auf uns warteten. Der Esel wurde mit einem Teil unserer Taschen beladen und dann gings hoch den Berg. Ca. eine dreiviertel Stunde sind wir holprige schmale Pfade und hochbewachsene Wiesen entlang gegangen (bzw. die anderen, ich saß aufm Pferd hehe), vorbei an lustig bewachsenen Bäumen mit Vögeln darin, die komische Laute von sich gaben. Irgendwann tat sich dann vor unseren Augen die Ranch auf: Ein aus dicken Holzbrettern gebautes Haus mit vielen Bäumen drumherum und nach hinten raus eine unendlich weite und hügelige Wiese mit unfassbarem Ausblick. Außer dass keine Tannen dort wuchsen hat mich die Landschaft mit ihren Felsen und Flußbetten stark an die von Brokeback Mountain erinnert. Wir sind erstmal wie von der Tarantel gestochen auf die Wiese gerannt und haben große Steine angehoben, auf der Suche nach Taranteln. Und sind tatsächlich fündig geworden und haben natürlich Fotos gemacht von dem possierlichen Tierchen. Ich mit meiner Spinnenangst fand es garnicht schlimm, der Tarantel ganz nah zu sein (boooaaah wie klingt das denn jetzt?). Aber Birga hatte die richtige Erklärung: Wahrscheinlich weil wir gezielt gesucht haben und sie in ihrem normalen Umfeld gefunden haben und sie nicht unverhoffter Weise in der Badewanne aufgetaucht ist oder sowas. Hm...also Spinnenfobie doch noch nicht überwunden? Als nächstes war Cowboy-Lasso-Schwingen an der Reihe. Javier macht das einigermaßen professionell und nimmt manchmal an Wettbewerben teil und hat uns Lassowerf-Unterricht gegeben. Ein paar Meter weiter lag ein riesiges Schwein an einen Baum angeleint in der Sonne. Das hats echt verdammt gut...seinen kleinen Graben zum Baden direkt neben dem Baum und ständig Leute, die vorbeikommen und ihm Zuckerrohr schenken. Apropos Zuckerrohr: Schon kam Pacos Onkel Rafael mit der Machete an und ist mit uns zu seiner kleinen Zuckerrohrplantage gegangen. Da wurde dann erstmal einer der großen, ca. 3 Meter hohen Halme mit ca. einem Durchmesser von dieser Linie:-------------------------
gefällt und selbstverständlich auch mit der Machete geschält und schon hatte jeder ein Stück Zuckerrohr zum auslutschen. Es war wirklich unglaublich, was dort alles wuchs, ich habe noch nie so viele aufregende Pflanzen an einem Fleck gesehen: Pfeffer (davon haben wir ein paar Körner mit nach Xalapa genommen), Mimosen (die haben ganzschön rumgememmt und sich mal wieder zurückgezogen), Maracuyas (davon haben wir auch welche mitnehmen dürfen), Mandarinen, Limonen, Orangen, (davon machen wir jetzt täglich Saft) Vanilleschoten (waren allerdings noch nicht reif), Kakao (trug auch noch keine Früchte), roter Weihnachtsstern (das was wir in Deutschland zu Weihnachten auf dem Tisch haben wuchert da an riesigen Sträuchern), diverse Chillisorten (die uns manchmal die Zunge betäubt haben), 2 verschiedene Bananensorten (die normalen und dann noch welche mit einer roten Schale, geschmacklich nicht zu verachten), Sternfrucht, Papaya, Ingwer und natürlich Kaffee. Außerdem noch ein Baum mit grünen Blättern die so aussahen wie die Blätter eines Ahornbaums, aus denen Pacos Tante Irma immer einen richtig leckeren grünen Saft gemixt hat (wir haben sie liebevoll Hexe genannt, aber sie hat damit selber angefangen hehe).
Der erste Tag endete damit, dass jeder von uns eine Westernreitstunde von Javier bekam und dann haben wir ein Lagerfeuer gemacht. Das tat so richtig gut, absolut back to the roots. Ich habe das gebraucht, mal wieder etwas in der Natur zu sein. Und als dann der Sternenhimmel immer sichtbarer wurde, haben wir ziemlich viele Sternschnuppen gesehen. Nach 15 Sternschnuppen sind mir schon fast keine Wünsche mehr eingefallen, weil einfach das bloße unter Sternen am Lagerfeuer sitzen schon sehr glücklich gemacht hat. Am nächsten Tag gab es dann ein richtiges Landfrühstück mit Longanizo (gebratene Wurst), Bohnen, Salsa und selbstgebackenen Tortillas von der Oma. So ein Kraft-Frühstück war aber auch nötig bei DEM Tagesprogramm. Erstmal sind wir auf den Berg direkt am Haus geklettert und haben die Vitaminversorgung der Kühe mit Orangenschalen gesichert. Meine "typischer Organgenverkäufer aus Xalapa"-Rufe (NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA NARANJA )ließen die Kühe leider ziemlich kalt und unbeeindruckt. Trotzdem haben sie sich über die Vitaminbombe am frühen Morgen gefreut.
Dann haben wir uns startklar für die Flußexpedition gemacht. Auf zum Great River. Die Wiesen und Berge sind wir bis zum Gatter zurück gelaufen, zurück ins Dorf und von dort aus dann mit dem Auto zum Fluß. War absolut genial, der Fluß war relativ niedrig und hatte viele Wackersteine und trotzdem einige Stellen zum schwimmen. An einer Stelle ist ein leicht erhöhter Flußarm in den Hauptfluß geflossen und genau an dieser Kante war dann unser natural Whirlpool. Nach Flußkrebssuche mit Taucherbrillen und auf Steine rauf- und runterklettern und sich auf warmen Steinen wärmen und Angst davor in Seeigel oder Flußkrebsscheren zu treten haben wir dann langsam wieder den Rückweg angetreten. Als wir wieder oben an der Ranch ankamen, war es schon fast dunkel. So gerade haben wir es also noch geschafft, beim Aufstieg etwas sehen zu können. Sonst wäre das bei diesen stockfinsteren Nächten da oben kein Spaß gewesen. Wie so hungrige Bären haben wir die selbstgebackenen Bunuelos von Pacos Mama in uns reingestopft. Und später gabs dann wieder ein Lagerfeuer und diesmal mit Stockbrot. Hat nur so mittelmäßig geklappt, irgendwie hätte der Teig noch Hefe oder sowas gebraucht, war etwas pappig. Egal, hat schön nach Rauch geschmeckt ;)
Am nächsten Tag hat der Onkel Rafael Birga und mir nochmal eine zweistündige Führung gegeben in der er uns alles zu den dort wachsenden Pflanzen erklärt hat. Und dann haben wir die Kühe die bald Mama werden mit Maracuyas gefüttert.
Das, was mich an der Ranch so fasziniert hat, ist dass man dort vollkommen unabhängig lebt: Die Früchteauswahl könnte ja nicht besser sein, es wächst Mais für Tortillas und sorgar den Kaffee ernten sie selber, jagen ihn durch eine Mühle in der er von seiner Hülse getrennt wird, rösten die Bohnen und mahlen sie dann. Es war einer der besten Kaffees meines Lebens. Der Strom kommt aus Solarzellen und das Wasser aus der Quelle am Berg. Alles ist selbstgebaut und manches etwas provisorisch, aber es funktioniert perfekt.
Servicio Social im "Matraca"
Seit ca. 3 Wochen mache ich einen Servicio Social im Matraca (Movimiento de Apoyo a niños TRAbajadores y de la CAlle), eine Einrichtung für Kinder die auf der Straße leben oder arbeiten. Das Matraca ist eine Bürgerinitiative und lebt von Spenden und Sponsoren.
Ein- bis zweimal die Woche gehe ich hin und betreue Héctor (11) und Jamilet (12) (Bruder und Schwester). Allerdings kommen die beiden mir viel kleiner vor, ich hätte sie auf 8 und 10 geschätzt und sie SIND auch noch total klein. Sie haben 5 Geschwister und wohnen auf wenigen Quadratmetern in einem der schwachen Barrios. Im Spätnachmittag gehen die beiden direkt nach der Schule ins Matraca und dann können sie sich zwei Stunden lang austoben. Meistens spielen wir Fußball oder Basketball. Manchmal muss noch eine Hausaufgabe erledigt werden und dann bekommen die beiden ein "Abendessen", das aus aufgelöster Pulvermilch und Keksen besteht. Es geht nur darum, dass sie überhaupt irgendetwas essen bevor sie arbeiten gehen, denn das ist meistens ihre einzige Mahlzeit am Tag. Ja, arbeiten. Damit kann ich noch nicht so gut umgehen. Sie gehen direkt vom Matraca aus in die Innenstadt und arbeiten dann da, jeden Abend, von 20-23 Uhr. Jami packt in einer Apotheke Sachen ein und aus und Héctor geht in irgendwelche Bars, stellt sich da an die Tische und jongliert mit drei Bällen. Am Freitag hat Andrea (der Italiener) seinen Geburtstag gefeiert und wir saßen alle draußen an so einer Bar und auf einmal steht Héctor am Tisch und jongliert und neben ihm stand noch ein jüngeres Mädchen die Rosen verkauft. Als er mich erkannt hat ist er angekommen und wir haben ganz normal geredet. Aber trotzdem, das sind so Momente in denen man denkt "MANN, wie gut hast Dus eigentlich?" Die beiden fragen auch oft nach, was irgendetwas gekostet hat. Z.b. Ohrringe oder Piercing. Und dann fühlt man sich wie so ne Luxustussi, die ihr Geld für unnötigen Kram zum Fenster rauswirft. Oder "Wie fühlt es sich an im Flugzeug zu fliegen?" und - wer weiß - aber realistisch gesehen werden die beiden wahrscheinlich nie mit einem Flugzeug fliegen. Aber man kann ja trotzdem eine Hoffnung haben und deshalb üben wir immer mal zwischendurch Länderkunde und Englisch. In Mexiko wird es nämlich ziemlich geschätzt wenn man mal im englischsprachigen Ausland war
Die beiden haben zwar echt den Schalk im Nacken und bauen manchmal Mist, aber haben gleichzeitig einen unglaublichen Sinn für Soziales. Vorgestern wollte ich die Matraca-Mitarbeiter auf einen der Hausbesuche mitbegleiten. Die Hausbesuche werden ausschließlich morgens gemacht, weil gen nachmittag sich in den Barrios schon die ersten Banden zusammenfinden und dann könnte es gefährlich werden. Sie meinten, es wäre gut für mich, die Lebensverhältnisse mal selbst zu sehen, um die Situation der Kinder besser nachvollziehen zu können. Ich also hin. Im Matraca habe ich Stefanie, eine Deutsche die aber seit längerem in Mexiko wohnt, getroffen (hatte sie schonmal kennengelernt) und zusammen mit Oli, eine der Mitarbeiterinnen haben wir 1 1/2 Stunden auf Carla gewartet. Als wir dann komplett und bereit waren loszuziehen, wurden die Pläne komplett umgeschmissen: Eine Reporterin von irgendeiner Zeitung wollte mit ihrem Begleiter bei dieser Tour dabei sein. Der Chef vom Matraca hat das ganze meiner Meinung nach total überernst genommen, denn die Reporterin musste nur sagen "Ich will die schlimmsten Armenverhältnisse, die Xalapa zu bieten hat" und schon wurde alles umgeworfen. Und dabei war schon lange geplant, in dieses eine Viertel zu fahren, unter anderem weil Stefanie sich von der Familie deren Kinder sie fast ein Jahr betreut hat verabschieden wollte, weil sie umzieht. Ok, Pläne umgeschmissen, los gings. Auf halbem Weg sagt Frau Sensationsreporterin dann: Ich würde gerne im Taxi fahren. Oli sagt: Aber wir fahren immer mit dem Bus dorthin. Reporterin: Ich will aber mit dem Taxi fahren. Ich zahle das auch. Oli: Aber wir sind 6 Leute. In das Taxi passen nur 4. Reporterin guckt Stefanie und mich an, wendet sich dann an Oli und sagt: Ja richtig, dann sind wir nur zu viert! Und Oli gibt Stefanie und mir mit entschuldigendem Blick zu verstehen, dass wir von der feinen Frau Reporterin unerwünscht sind. Zum kotzen. Was für eine unfassbare Anmaßung. Sie hat schon am Anfang als Oli uns vorgestellt hat ihr falsches Lächeln aufgesetzt, "Mucho gusto" gesagt und das Lächeln gleich wieder verschwinden lassen. Oli und Carla zuliebe, die wegen dieser ganzen Sache schon genug Druck vom Chef bekommen haben, haben Stefanie und ich uns dann gefügt und sind abgezogen. War schon kurz davor zu sagen "Kein Problem, wir nehmen dann zu zweit ein anderes Taxi und fahren hinter euch her". Was für eine unfassbar unsympathische Erscheinung. Ich hab mich auch deshalb total geärgert, weil ich daher an diesem Tag nichts zustande bekommen habe und extra wegen der Hausbesuche-Aktion verschiedene Sachen habe ausfallen lassen. Nunja, dafür fahren wir am Montag dann mit. Ist mir eh lieber ohne diese Boulevard-Blamage. Gestern war ich dann wieder mit Jami und Héctor im Matraca. Jami hatte ein neues T-shirt und eine neue Hose. Ich habe sie gefragt, wo sie das denn her hätte und sie meinte "Hab ich einem Mädchen in der Schule abgezogen". Das andere Mädchen hat wohl ständig zu ihr gesagt "Ieeeeh, was hast du denn für Anziehsachen? Voll die hässlichen.." und Jami hat dann wohl gesagt "Jaa, und weißte warum? Weil ich bin arm und du nicht, genau deshalb hab ich solche Anziehsachen." und so ging das wohl immer weiter, bis sie ihr nach dem Sportunterricht die Sachen geklaut hat. Sie: Was soll ich machen, ich hab halt nichts zum Anziehen. Ich meinte nur dass sie in Zukunft bei solchen Sachen besser einfach garnicht hinhört und sie unbeeindruckt bleibt, aber ich konnte auch verstehen dass sie irgendwann ausgetickt ist.
Das find ich so gut an den beiden, die sagen einfach wie es bei ihnen ist.
Dienstag, 10. November 2009
An einem Tag gleich zweimal im Rio
Am Samstag hatte ich glaube ich das beste Natur- und Freizeitsporterlebnis meines Lebens: Rafting. Zu 9 Leuten (fatale Mischung - 3 x England, 1 x USA und 4 mal Deutschland und 1x Österreich) haben wir uns in aller Herrteufelsfrühe in Xalapa Richtung Jacomulco aufgemacht. Wir hatten ein Allround-Paket gebucht, was für 80 Pesos mehr als der Normalpreis Hin- und- Herkutschiert werden, Mittagessen und Thermalquellen beinhaltete.
Also wurden wir in einem kleinen Bus von Xalapa nach Jacomulco gebracht. Die Fahrt hatte was von einer Klassenfahrt. In Jacomulco haben wir uns dann Flußfertig angezogen. Das heißt ich war schon Flußfertig, hatte natürlich als einzige keine Wechselklamotten mit. Dann sind wir mit dem Team und zwei Booten auf dem Bus drauf nochmal eine halbe Stunde zur Ablegestelle gefahren. Da haben wir dann von Carlos, unserem Schlauchbootsführer die Anweisungen bekommen: bei "adelante" nach vorne paddeln, bei "detrás" rückwärts paddeln und bei "alto" hoch die Ruder. Mit schicken Rettungswesten und Helmen bekleidet haben wir die Boote nach Englischsprachigen gegen Deutschsprachigen aufgeteilt. Ein weiterer Begleiter ist mit dem Kajak vorausgefahren um uns zu retten falls wir von Bord gehen. Der Kampf auf dem Fluss begann. Adelante! Und ab gings, rein in die Stromschnellen. Der "Río Pescado" hatte eine geniale Mischung aus actionmäßigen Wildwasserabschnitten und ruhigen Stücken unter dem Befehl "alto" von unserem Käpt`n. In jedem Wildwasserabschnitt hatte man irgendwie Angst, gegen einen der riesigen herausragenden Steine zu prallen (was Carlos durch seine Lenkkünste aber meisterhaft verhindert hat) oder aus dem Boot zu fallen. Ganz oft hat man direkt unter sich die riesigen Steine gemerkt. Und zwischendurch einfach garnichts gesehen, weil eine riesige Welle über einen geschwappt ist. Mit trocken bleiben war also nichts. (Daher existiert auch nicht ein einziges Foto von dem Abenteuer) War aber auch egal, wir haben dann nämlich in einem der ruhigen Abschnitte Halt gemacht und sind alle von einer hervorstehenden Felskante in den Fluss gesprungen und spätestens da wars dann vorbei mit Trockenheit. War schon eine leichte Überwindung bei der Höhe und in voller Montur, aber kaum war man wieder aufgetaucht, bekam man schon die Fangleine von Carlos zugeschmissen, um wieder ins Boot gezogen zu werden. Einmal mussten wir mit den Booten ein Stück laufen, weil es eine sehr schnelle und enge Kurve gab, in der man geradewegs auf eine Felswand geprallt wäre. Ja, fast die ganze Zeit waren rechts und links von uns gigantisch hohe Felswände die senkrecht in die Höhe ragten und mit lauter lustigen Pflanzen bewachsen waren. Über uns kreisten öfters mal Falken oder zumindest Vögel die so ähnlich aussahen. Das alles zusammen mit dem genialen Wetter noch dazu war so ein schöner Anblick, dass uns fast die Luft weggeblieben ist.
Das ganze kam mir vor wie fünf Kilometer in fünf Minuten, aber es waren tatsächlich zwei Stunden und mir ist die Kinnlade schon ein wenig heruntergefallen, als Carlos meinte dass wir 20 Kilometer zurückgelegt hätten. Wieder in Jacomulco angekommen, wurden wir wieder zum Ausgangspunkt der Rafting-Company gebracht, der übrigens auch direkt an dem Fluss lag. Dort haben wir dann alle STILLSCHWEIGEND unser zu Mittag gegessen. Macht ziemlich viel Hunger, so n Raftingvormittag. Danach sind wir dann noch ins Freibad gegangen, das Freibad mit der BESTEN Rutschenkonstruktion ever! Auf jeden Fall etwas fürs Auge. Und während wir in der heißen Novembersonne bruzelten, konnten auch unsere Anziehsachen trocknen. Nach genug Freibadluft sind wir dann rüber zu den Thermalquellen, die auch direkt neben dem Fluss waren. An den leichten Geruch von faulen Eiern musste man sich erstmal gewöhnen und dann sind wir rein ins Schwefelbad, dann wieder in den Fluss, Schwefelbad, Fluss. Heiß kalt heiß kalt. Sehr lustig. Da haben wir auch Kate (also meine Mitbewohnerin) und ihren Freund Mercurio und noch ein paar Freunde von ihm getroffen. Irgendwann waren wir so fix und alle vom Wildwasser, von der Sonne und vom Schwefel, dass wir den Heimweg nach Xalapa angetreten haben. Abends sind wir dann in den 2. Rio gegangen: Rio Latino, eine Disco hier in Xalapa. Matt, einer der Engländer, hat in seinen Geburtstag reingefeiert. Dieser Rio hat mir allerdings nicht so gefallen, vor allem die Musik war schwer erträglich. Lieber wäre ich nochmal in den echten Rio gegangen.
Montag, 2. November 2009
Tickle-me-Emo
http://www.youtube.com/watch?v=Vz9ZYVQlfMQ
mein neuer Lieblings-"Werbespot"
Emo-Elmo ist endlich da!
mein neuer Lieblings-"Werbespot"
Emo-Elmo ist endlich da!
El día de los muertos (Tag der Toten) - Der Tod hat viele Gesichter
In der Apotheke von Naolinco habe ich auf meine Medizin gewartet. Die andere Kundin mit ihrer Tochter wohl schon ein wenig länger....
im Vordergrund: Der Apotheker. im Hintergrund: sein lebender Assistent
Auf ein langes Leben - hoch die Tassen!
der Wohnzimmeraltar einer Familie in Naolinco
die Mini-Wini-Würstchenkette hat der Hund vom...
...Metzger. Heute im Angebot: Blutwurst
Marktschreier mit noch lauter schreiendem Esel
Farmer mit Hut
bunte Gräber mit vielen Kreuzen auf dem Hauptfriedhof in Naolinco
Zeiger richtung Vollmond
Familiengrab
NEIN, das sind KEINE Legohäuser
die Voladores bei ihrem letzten Flug
La Catrina
Parkidylle.
Adelige
Even Michael was there!
feine Kaffeegesellschaft
der vollste Vollmond aller Vollmonde. Aaaauuuuuuuuuuuuuuuuuuuu.
heidnischer Altar.
typische Ofrenda, sogar mit Gärtner!
Theaterkulisse im Park.
Ofrenda am Palacio del Gobierno 1
Ofrenda am Palacio del Gobierno 2
Ofrenda am Palacio del Gobierno 3
Schoko-Schädel statt Martinsbrezel.
La Catrina und ich bei der Totenfeier in der EEE (Escuela para Estudiantes Extranjeros)
Ofrenda in der EEE
Beatles-Konzert zu Halloween
El día de los Muertos ist eine Sache, auf die ich mich schon lange gefreut habe, sie hier miterleben zu dürfen. Mir gefällt dieser so ganz andere Umgang mit dem Thema "Tod". Da mischt sich alles aus den vorspanischen Kulturen mit dem katholischen Glauben und heidnischen Bräuchen.
In allen Häusern, Instituten und auch auf der Straße werden "Ofrendas" aufgebaut, das sind Altare, die bestimmten Verstorbenen gewidmet sind. Sie bestehen meist aus einer besonderen orangenen Blume (Flor de Cempasúchil), buntem Seidenpapier mit hineingeschnittenen Mustern (Papel picado), Kerzen, Totenkopffiguren, Fotos der Verstorbenen und unzähligen Gerichten, Früchten, Süßigkeiten und Dingen, die den Personen zu Lebzeiten gefielen. Damit die Toten den Weg zu ihrer Ofrenda finden, wird ein Weg aus den Blüten der Cempasúchil dorthin gestreut.
Eine immer wieder auftauchende Figur in diesen Tagen ist "La Catrina", eine Skelettfigur mit Kleidung einer Adeligen aus dem Mexiko des 19. Jahrhunderts. Sie wurde von dem Maler José Guadalupe Posada kreiert und ist mit der Zeit zu DER Persönlichkeit des Día de los Muertos geworden. Wir haben ganz viele als "la Catrina" verkleidete Frauen gesehen - genauso wie Pappmaché-Figuren oder Bilder. Aber auch "normale" Skelette und Teufel sind uns entgegen gekommen. Dem Tod wird ins Gesicht gelacht, er wird ein bisschen auf die Schippe genommen und viel stärker als ein Teil des Lebens verstanden.
Gestern sind wir nach Naolinco gefahren, eine Busstunde von Xalapa entfernt und Día-de-los-Muertos-Hochburg. Das war absolut abgefahren: nur ein ganz paar kleine Wölkchen waren am Himmel und dann war vollster Vollmond. In Naolinco war eine ganz besondere Stimmung. Ein bisschen ruhig und besinnlich aber gleichzeitig locker und munter. Unzählige Stände mit ganz typischen Süßigkeiten haben irgendwie eine Mischung aus Kirmes und Weihnachtsmarkt-Atmosphäre geschaffen. Und es war richtig richtig kalt. Ich habe mir die ganze Zeit Handschuhe, Schal und Mütze herbeigesehnt. Aber diese Temperaturen zusammen mit einem leichten Nebel und Vollmond waren einfach genau das Richtige in diesem Moment. Viele Häuser von Familien hatten ihre Türen geöffnet, sodass man direkt die Ofrenda sehen konnte. Überall gab es Punsch und Atole (eine Art heiße Schokolade) zu trinken, um sich ein wenig aufwärmen zu können. Die beiden typischsten Gerichte für den Tag der Toten sind Tamales (gefüllter Maisteig in Bananenblätter gewickelt und dann gedämpft) und "Pan de Muerto" (Totenbrot), das aus Knochenmehl gebacken wird. Nein natürlich nicht, makaberer Scherz am Rande ;). Das ist ein süßes Hefegebäck mit Gewürzen.
Überall in Naolinco waren Skelettfiguren aus Pappmaché ausgestellt (an die Wiedenbrücker: DAS sind mal RICHTIGE Alltagsmenschen :)) : eine Kaffeegesellschaft im Café, eine Mutter auf einer Parkbank und davor ein Kind auf einem Dreirad, Michael Jackson, zwei Ballspielende Kinder, ein Metzgermeister, und und und und. Sogar die Voladores aus El Tajín waren nachgebildet (siehe vorletzter Blogeintrag) und natürlich durften unzählige "la Catrina"-Figuren nicht fehlen.
Dann haben wir den obligatorischen Gang zum Friedhof getan. Und das- ich muss es nochmal wiederholen- bei Vollmond, ich bin immer noch hin und weg von diesem genialen Zufall. Der Friedhof war alles andere als einheitlich. Das, was die meisten Gräber gemeinsam hatten, war ein kleines Häuschen, in das man theoretisch hätte hineingehen können. Die Häuser waren mal schlicht weiß, mal ganz bunt, mal im gothischen, mal im antiken Stil. Bei einem Häuschen musste ich sehr schmunzeln, da sahen die Fliesen nach richtig typischen deutsche-Küche-Fliesen aus. Wenn eine Familie diesen Grabplatz (für die Ewigkeit) kauft, wird genau geplant, wieviele Tote dort in Zukunft Platz finden. Es wird wohl übereinander begraben, der Erste Tote des Grabes hat dann logischerweise den tiefsten Platz in der Erde. Dann werden die Fliesen im Häuschen herausgenommen und wieder kommt ein Leichnam hinzu. Überall verteilt auf dem Friedhof, an verschiedenen Gräbern, standen Personengruppen und haben ein bestimmtes Lied gesungen, bei dem einer vorgesungen und alle anderen nachgesungen haben.
Wieder im Ort, sind wir in eines der Privathäuser reingegangen, das wirklich eine riesíge und beeindruckende Ofrenda hatte, die das halbe Wohnzimmer eingenommen hat. Die Hausbesitzerin meinte, sie hätten 3 Tage daran gesessen. In einem anderen Haus war tatsächlich vor kurzem jemand gestorben und der Sarg stand im Wohnzimmer aufgebart. Vor dem Haus waren ganz viele Stühle aufgestellt, auf die sich viele Leute gesetzt haben, um dann etwas richtung Sarg zu beten. Ich glaube die beste Jahreszeit in Mexiko zu sterben, ist um den Día de los Muertos herum. Dann sind wir noch an einem Marktplatz vorbeigekommen, an dem die Marktstände allesamt von Skeletten, die ihre Früchte angepriesen haben, betrieben wurden. Das hatte schon alles etwas gruseliges und mich hat erstaunt, wie ruhig die ganzen Kinder der Besucher geblieben sind.
Auf dem Rückweg sind wir noch an einer sehr traditionellen Apotheke mit Holzregalen und vielen kleinen Glasfläschchen vorbeigekommen, wo ein Apotheker-Skelett auf seine Kunden wartete. Sehr originell.
Heute waren wir in Xalapa und sind noch einmal an einem Friedhof vorbeigekommen, auf dem unzählige Leute waren um ein Wiedersehen mit ihren gestorbenen Liebsten zu haben.
In der letzten Woche hat das alles schon mit verschiedenen Tag-der-Toten-Feiern in der Fakultät begonnen. Am Mittwoch haben die Anthropologen eine Gedenkfeier gemacht und am Donnerstag die Historiker, zu denen wir jeweils hingegangen sind. Am Donnerstag war außerdem in der Escuela para Estudiantes Extranjeros (ausländische-Studierende-Schule) eine Feier und am Freitag nochmal in der Fakultät von den Pädagogen organisiert, wo wir aber nicht waren. Dafür aber in einem Park hier in der Nähe, in dem verschiedene 15-minütige Theaterstücke die alle etwas mit dem Tod zu tun hatten aufgeführt wurden. Unter freiem Himmel und mit schönen Kulissen, das hatte schon was.
Einzig der Samstag war recht Toten-frei, obwohl ja Halloween war: Da sind Birga und ich ins Theater gegangen, aufs Konzert einer Beatles-Coverband. War ganz gut, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass noch mehr Stimmung aufkommt. Das lag aber auch mit daran, dass das Theater leider natürlich nur Sitzplätze hatte. Nächstes Mal bitte in einem anderen Saal, Jungs! Aber sie haben Octopuss` Garden und viele Stücke aus "Across the Universe" gespielt, das hat alles gut gemacht ;)
Und morgen früh um 6 hat mich der Uni-Alltag wieder. Goodbye, schöne Zeit der Totenfeierei.
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