Seit ca. einem Monat gehen Kate, Birga und ich mehrmals in der Woche zum Zumba. Das ist sozusagen tanzen auf Fitness ausgerichtet zu lateinamerikanischer Musik. Ist immer sehr witzig,weil die ganzen Chicas und Muttis hier aus unserem Viertel dahin gehen und man sich sozusagen schon auf der Straße grüßt. Wir müssen einfach die Straße runtergehen und sind da. In dem eineinhalbräumigen Tanzstudio arbeiten zwei Leute: einmal Alejandra, die immer den Zumbakurs leitet und Iris, die steht immer vorne und mixt den ganzen Muttis immer Schlankheitsdrinks. Letztens wollte sie Birga und mir das Zeug auch andrehen. Der Dialog ging so: "Ich habe zwei Monate lang immer diesen Drink genommen und gleichzeitig Zumba gemacht und 10 Kilo abgenommen". Ich: "Und jetzt machst Du keinen Sport mehr?" Sie guckt mich entgeistert an: "Ich habe 10 Kilo abgenommen und halte mein Gewicht. Wofür sollte ich denn bitte noch Sport machen?" Sie hat das aber nicht so vorwurfsvoll sondern eher fröhlich gesagt. Achsooo es geht also ausschließlich ums Abnehmen. Wieder was gelernt. Birga und ich mussten danach so lachen, weil dieses SPORT-Tanzstudio ihr ARBEITSPLATZ ist. Naja aber jeden Morgen wenn ich daran vorbei zur Uni gehe ruft sie immer aus dem Fenster "Buenos díaaaaaas chica". In der Zumbastunde ist die Musik immer so laut, dass wir sie bei uns zu Hause hören, aber es macht wirklich Spaß und ist abgesehen davon fast die einzige Möglichkeit, hier in der Nähe sich sportlich zu betätigen.
Samstag, 31. Oktober 2009
Zzzzumba
Seit ca. einem Monat gehen Kate, Birga und ich mehrmals in der Woche zum Zumba. Das ist sozusagen tanzen auf Fitness ausgerichtet zu lateinamerikanischer Musik. Ist immer sehr witzig,weil die ganzen Chicas und Muttis hier aus unserem Viertel dahin gehen und man sich sozusagen schon auf der Straße grüßt. Wir müssen einfach die Straße runtergehen und sind da. In dem eineinhalbräumigen Tanzstudio arbeiten zwei Leute: einmal Alejandra, die immer den Zumbakurs leitet und Iris, die steht immer vorne und mixt den ganzen Muttis immer Schlankheitsdrinks. Letztens wollte sie Birga und mir das Zeug auch andrehen. Der Dialog ging so: "Ich habe zwei Monate lang immer diesen Drink genommen und gleichzeitig Zumba gemacht und 10 Kilo abgenommen". Ich: "Und jetzt machst Du keinen Sport mehr?" Sie guckt mich entgeistert an: "Ich habe 10 Kilo abgenommen und halte mein Gewicht. Wofür sollte ich denn bitte noch Sport machen?" Sie hat das aber nicht so vorwurfsvoll sondern eher fröhlich gesagt. Achsooo es geht also ausschließlich ums Abnehmen. Wieder was gelernt. Birga und ich mussten danach so lachen, weil dieses SPORT-Tanzstudio ihr ARBEITSPLATZ ist. Naja aber jeden Morgen wenn ich daran vorbei zur Uni gehe ruft sie immer aus dem Fenster "Buenos díaaaaaas chica". In der Zumbastunde ist die Musik immer so laut, dass wir sie bei uns zu Hause hören, aber es macht wirklich Spaß und ist abgesehen davon fast die einzige Möglichkeit, hier in der Nähe sich sportlich zu betätigen.
Dienstag, 20. Oktober 2009
Teil 1: Bohne Nummer 10 grüßt euch! Auf den Spuren des Totonakenreichs - Teil 2: Auf einen Kaffee bei Papá Tortuga und ganz vielen Schildegards
Teil 1 Vaya, que fin de semana! Ein unterm Strich wunderbares Wochenende in El Tajìn, Papantla und Tecolutla liegt hinter mir. Am Freitag in der früh treffen Beate, Eva, Robert, Birga und ich uns am Busterminal "Caxa" von Xalapa. Los gehts auf eine 4 1/2 stündige Fahrt Richtung Papantla, nördlich von Xalapa (siehe Karte von Veracruz). Im Bus werden wir von der viel zu kalten Klimaanlage ordentlich durchgefroren, aber immerhin ist die vorbeiziehende Landschaft schön urig-waldig. Zwischendurch steigen -mal gute, mal schlechte- Gitarrenspieler hinzu und klampfen im Busgang für eine Spende. In Papantla wartet dann der große Temperaturumschwung auf uns: Raus aus dem Bus, rein in die Wärme und marsch marsch um ein Hostel zu suchen. Wir wollen keine Zeit verlieren und fahren so schnell es geht nach El Tajín, eine einst von Totonaken erbaute Stadt. Gerade angekommen, stürzen sich verschiedenste Verkäufer geradewegs auf uns, ein harter Kampf unter ihnen beginnt. Irgendwie unangenehm, ich komme mir so richtig Touri-mäßig vor. Beate, Eva und ich kaufen uns Sonnenhüte und werden das noch sehr zu schätzen wissen. Auf gehts in die Ruinenstätte. Am Eingang treffen wir Eusebio, handeln einen Preis aus und lassen uns von ihm durch das Wunder von El Tajín führen.

Und merken schnell, dass er richtig Ahnung hat, denn Eusebio selbst stammt vom Volk der Totonaken ab und ist rund um die antiken Pyramiden aufgewachsen. Er heißt uns sehr höflich auf totonakisch willkommen und spricht uns immer mit "Jovenes" an "Jovenes, les voy a decir lo siguiente" ("Jugendliche: ich werde euch das folgende sagen") Und dann erzählt er von den einzelnen Bedeutungen der Zahlen und Ziffern, Zeichnungen und Namen.

Menschenopferritual der Totonaken in Bildern
"Totonaco" bedeutet "trés Corazones", also "drei Herzen" (toto= trés, naku= corazón). Die größte Pyramide (Pyramide de los Nichos) hat 365 Nischen, die für ein Jahr der Totonaken stehen. Auf verschiedenen Höhen sind immer wieder Altare zu finden, auf denen geopfert wurde was das Zeug hält.

Die Pyramiden sind genauso zwiebelmäßig aufgebaut wie diese russischen Holzpuppen: im tiefsten innern ist eine ganz kleine, darüber eine etwas größere, dann wieder eine etwas größere. Alle 52 Jahre ist eine neue Pyramide über die bisherige gebaut worden. Die Zahl 52 hatte einerseits eine große Bedeutung, wegen der Anzahl der Wochen im Jahr und andererseits, weil man glaubte, dass nach 52 Jahren die Sonne nicht mehr aufgehen würde. Daher wurden in der ganzen Stadt die Lichter gelöscht und mit besonderen Ritualen mehr Menschenopfer denn je dargebracht, um die Sonne davon zu überzeugen, weitere 52 Jahre lang aufzugehen. Eusebio erklärt uns, dass die Totonaken auch für ein Ballspiel bekannt waren, bei dem entweder einer gegen einen, zwei gegen zwei oder drei gegen drei mit einem Ball aus Kautschuk spielten. Spielfeld war die Rasenfläche zwischen zwei Tribünen und einer großen Pyramide, von wo aus der Pushko, der größte Häuptling, das Spiel beobachtete.

Zwischen den beiden Tribünen spielten die Totonaken mit Kautschukbällen. Mit einem Tor war das Spiel gewonnen und der Sieger durfte sich opfern lassen.
Ein Tor zu erzielen war unfassbar schwierig, weil das Tor gerade mal ein bisschen größer war als der Ball und man den Ball nur mit der Hüfte oder den Armen berühren durfte. Daher konnte ein Spiel monatelang andauern. Der Gewinner wurde dann geopfert. War wohl eine große Ehre, als Verbindungsperson zu einem der vielen Götter aus dem Leben zu treten. Sowieso war der Tod das größte Ziel und in welchen der verschiedenen Himmel man dann kam, richtete sich danach, auf welche Weise man starb. Besonders ehrenhaft war der Tod als Krieger oder Menschenopfer. Dann erklärt Eusebio uns, wie man in El Tajín zu seinem Vornamen kam: Das richtete sich nämlich nach dem Tag, an dem man geboren wurde. Ich habe meinen Namen direkt mal erfragt: Jemand der am 30. Juni geboren wurde, hieß dann "Frijol 10", also "Bohne Nummer 10". Nicht schlecht was? Nennt mich von nun an bitte Lisa Gonzalez Apocalypse Navigation Bohne Nummer 10 Mayacoata ;). Eigentlich ist der Monat Juni der Maismonat, aber weil die Monate nur 20 Tage hatten, fällt der 30. Juni schon in den totonakischen Juli und Juli ist der Bohnenmonat. Und wie wurde das Problem gelöst, wenn mehrere Kinder am selben Tag geboren wurden? Ganz einfach..direkt um das eigene Haus herum wurde eine Bahn aus feuchter Erde oder Lehm geschüttet und das erste Tier, das dort einen Abdruck hinterließ vervollständigte dann den Vornamen. Also z.B.: "Bohne Nummer 10 Jaguar". Gut so, solange es nicht "Bohne Nummer 10 Kakerlake" oder "Bohne Nummer 10 Ameise" oder so etwas ist. ;) Eusebio verabschiedet sich auf totonakisch, spanisch und englisch und wir gehen noch ein bisschen auf eigene Faust durch El Tajín, das übrigens bis zum Jahr 1200 existierte.






Zwischendurch kommen Totonakenfrauen aus dem nahen Dorf und wir kaufen ihnen echte Vanilleschoten und Orangen mit Chillipulver ab. Als wir wieder am Ausgang ankommen, sehen wir zum Glück doch noch eine Vorstellung der Voladores: 5 Männer in bunten, traditionellen Trachten sind an einem 30 Meter hohen Pfahl hochgeklettert. Sie werden doch nicht..? Doch, sie werden fliegen, denn Volador bedeutet Flieger. Während vier von ihnen sich ein Seil umschnüren, tanzt der fünfte dort hoch oben in der Mitte des Pfahles zu den Tönen seiner Flöte.

Die Voladores bereiten sich auf ihren "Flug" vor.

Plötzlich lassen sich die vier anderen von dem quadratischen Gestell aus nach hinten fallen und drehen sich immer wieder um den Pfahl herum, sodass das Seil an dem sie hängen nach und nach länger wird. Das machen sie solange, bis sie am Boden angekommen sind. Auch das ist ein totonakisches Ritual, um sowohl Regen als auch Sonne anzuziehen.


Ziemlich beeindruckt von diesem Ort fahren wir wieder zurück nach Papantla.
Teil 2
Am nächsten Mittag nehmen wir den Bus von Papantla nach Tecolutla. Hier wohnt nämlich Papa Tortuga, den wir unbedingt kennenlernen wollen. Als wir aus dem Bus aussteigen, werden wir von geschätzten 7 Einheimischen belagert, die uns entweder in ein Hotel oder ein Restaurant bringen wollen. Juan Antonio ist derjenige, der am wenigsten aufdringlich ist und uns zuschwallt und deshalb gehen wir mit ihm mit. Er bringt uns zu einer Bungalowanlage direkt am Strand. Zu fünft teilen wir uns einen Bungalow. Dann nimmt er uns mit zum Ufer des "Rio Tecolutla", der in hier in Tecolutla in den Golf mündet. Dort nehmen wir eine Lancha (längliches Boot), um eine kleine Rundfahrt zu machen. Auf der Überfahrt zum anderen, etwas weiter entfernten Ufer (schließlich ist der Fluß hier schon sehr breit durch die Flußmündung), zeigen Oscar der Bootsführer und Juan Antonio uns verschiedene Tiere. Wir sehen ganz viele verschiedene Wasservögel, darunter auch Pelikane. Auf einmal hält eine andere Lancha neben uns: Auch wir halten an. Wir haben keine Ahnung was uns da erwartet und plötzlich bekommen wir ein Baby-krokodil entgegengestreckt. Irgendwann überwinde ich mich und nehme es auf die Schulter, wobei mir doch etwas mulmig zumute ist, als es heftig zu zappeln anfängt. Es fühlt sich total weich an und man kann richtig die Rippen und den Herzschlag fühlen.

Nach dem kleinen Krokodilabenteuer biegen wir in einen Seitenarm des Flusses ab, der mir wie eine Höhle vorkommt, so zugewachsen ist er. Es ist ein Mangrovenwald und rechts und links von uns erheben sich die sehr starken und interessant geformten Mangrovenwurzeln aus dem Wasser. Auf den einzelnen Wurzeln sitzen viele knallrote Krebse.




Und dann gibt es einen Wolkenbruch. wir drehen um und wieder auf dem offenen Fluss hilft auch die Dachplane der Lancha nichts- wir werden plitschenass. Als wir wieder an Land gehen, sind die Straßen knöcheltief überschwemmt, sodass nur barfuß gehen Sinn macht.

Dann essen wir in einer Bar zu Mittag. Ganz typisch Enchiladas (Eingerollte Tortillas mit Hähnchen gefüllt) und zum Nachtisch gebratene Bananen. Wieder am Bungalow angekommen regnet es immer noch in Strömen. Eigentlich sollte das ein sonniger Strandtag werden, ich finde es aber garnicht schlimm dass es so doll regnet. Das Meer ist richtig aufgewühlt und am Strand keine Menschenseele. Birga, Robert und ich gehen ins Meer, das viel wärmer ist als die Lufttemperatur.


Es regnet so stark, dass es im Gesicht wehtut. Wir schmeißen uns in die Wellen aber sehen zu, dass wir richtig nah am Strand bleiben, weil selbst hier schon das Wasser einen ziemlichen Sog hat. Dann gehen wir auf die Suche nach der Schildkrötenfarm und Papá Tortuga. Wir finden tatsächlich das Haus und die Bottiche mit den Schildkröten darin, aber es ist schon geschlossen. Am Zaun ist ein Schild, auf dem steht, dass jeden Morgen von 7.30 bis 9 Uhr geöffnet ist. Wir gehen wieder zurück zum Bungalow und machen uns einen ruhigen Abend mit dem in El Tajín gekauften Vanillelikör. Am nächsten Morgen stehen wir um 7 Uhr auf und stehen um kurz nach halb 8 bei Papa Tortuga auf der Matte.

Fernando Manzano hat das Projekt vor 35 begonnen, um verschiedene Arten von Meeresschildkröten zu schützen. Vor 3 Jahren wurde ein 20 minütiger Dokufilm über ihn und sein Projekt gedreht, der auf verschiedenen Filmfestivals Preise gewonnen hat. Und weil ich zufällig den Trailer bei Youtube gesehen habe, wollte ich unbedingt Papa Tortuga und sein Projekt in Tecolutla kennenlernen. Es ist schon ein bisschen aufregend, den echten Papá Tortuga live zu sehen. Bevor ihr weiterlest: Bitte guckt euch auf jeden Fall den Trailer auf Youtube an, allein der hat mich schon ziemlich beeindruckt.
http://www.youtube.com/watch?v=1FOdQdHZ9EE
oder bei Youtube einfach "Papa Tortuga" eingeben. Edgar, einer der Volontäre des Projekts, erklärt einer Gruppe von mexikanischen Touristen bereits das Projekt. Wir stellen uns einfach dazu und erfahren alles über die Schildkröten und die Arbeit der "Grupo Ecologista Vida Milenaria".
- auf der ganzen Welt ist Mexiko das Land mit den meisten Reptilienarten, ein bedeutender Teil davon sind Schildkröten
- sieben von acht verschiedenen Meeresschildkrötenarten gibt es in Mexiko
- sie alle sind vom Aussterben bedroht, besonders die Schildkrötenart "Lora"
- pro Jahr entlassen die Mitarbeiter des Projekts, sowie Touristen und Schulklassen mehr als 70.000 kleine Schildkröten ins Meer
- nach ca. 40- 45 Tagen schlüpfen die Eier eines Schildkrötennests.
Sogar eine Albinoschildkröte bekommen wir zu Gesicht. Die kommen wahrscheinlich so häufig vor wie ein richtiger englischer Satz aus Guido Westerwelles Mund.

Alle Besucher versammeln sich um einen Karton, in dem es ziemlich wuselt: Ca. 40 kleine Schildegards sind darin- und kaum zu glauben: sie sind erst vier Stunden alt. Wir dürfen jeder eine auf die Hand nehmen und sind alle erstaunt, welch eine enorme Kraft bereits in ihren Vorderflossen steckt. Eine ausgewachsene dieser Schildkröten wiegt später einmal bis zu 250 Kilogramm.



Wir kaufen alle ein Schildkrötensouvenir, um finanziell etwas zum Projekt beizutragen. Liebend gern würden wir eine Schildkröte freilassen, das ist sozusagen das große Erlebnis was man dort haben kann, aber an diesem Tag ist das Meer viel zu aufgewühlt, die Babytortugas würden direkt wieder an Land gespült und von den Hunden mitgenommen werden. Das ist ziemlich schade, weil wir uns schon sehr darauf gefreut hatten, aber dann geschieht etwas, was alles wieder gut macht: Wir kommen mit Papa Tortuga ins Gespräch und dann lädt er uns auf einen Kaffee in sein Haus ein. Gute zwei Stunden sitzen wir bei einer wärmenden Tasse Kaffee um den Tisch herum und hören ihm zu, wie er das Projekt entwickelt hat. Hinter uns steht ein weiterer Karton, in dem es verdächtig nach kleinen Schildis raschelt. In seiner Kindheit wurden bei ihm zu Hause Schildkrötenfleisch und Schildkröteneier gegessen. Irgendwann sah er dann einen Dokumentarfilm über ein Schildkrötenprojekt auf den Philippinen und zufällig am selben Tag entdeckte er ein Schildkrötennest. Er nimmt es mit nach Hause und sein Bruder will sich schon über die Eier hermachen, aber er sagt dass er gucken möchte ob sie schlüpfen. Und tatsächlich: sie schlüpfen. Nach und nach beginnt er, sich für die Meeresschildkröten einzusetzen. Wir sind alle total gerührt, als er sagt "Das ist mein Teil, den ich für den Planeten Erde beitrage - meine Lebensaufgabe" und er wischt sich eine Träne weg. Man merkt, wieviel Herzblut in der Sache steckt. Am Anfang war es für ihn wohl unfassbar schwer, sein Umfeld von seinem Vorhaben zu überzeugen, aber nach und nach bekam er mehr Vertrauen entgegen gebracht. Das Projekt lebt von Spenden und Touristen, die mexikanische Regierung unterstützt es nicht, aber die Projektleute wollen auch keine Unterstützung der Regierung. Denn dann würden die Biologen und die Bürokratie und die Vorschriften kommen. Er beschwert sich ziemlich über die korrupte mexikanische Regierung und erzählt einen Witz: Mexiko ist das zweitkorrupteste Land der Welt. Warum? - Die Regierung hat die Statistiker dafür bezahlt, dass es nur an zweiter Stelle erscheint ;) . Am Anfang hat er sich oft mit den Fischern angelegt, die die Schildkröten und Schildkröteneier eingesammelt haben. Dann haben sie angefangen, miteinander zu sprechen und schließlich wurden sie im Projekt eingestellt und machen heute sozusagen das Gegenteil als noch vor 30 Jahren. Er erzählt uns, dass er nie in die Schule gegangen ist, aber hat ein unfassbares Allgemeinwissen. Wir unterhalten uns mit ihm über verschiedene geschichtliche Ereignisse und darüber, dass Deutschland sehr wenig Nationalstolz hat. Zum Abschluss machen wir noch ein gemeinsames Foto mit ihm.

Er bietet uns an, als Freiwilligendienstler im Projekt mitzuarbeiten. Dann verabschieden wir uns. Zwar haben wir keine Schildkröte ins Meer gesetzt, aber die Kaffeerunde mit Fernando Manzano hat alles wieder rausgerissen. Nach diesem wunderbaren Ereignis gehen wir frühstücken. Auf dem Rückweg zum Bungalow werden wir ziemlich nass. FÜr den Rückweg nach Xalapa bekommen wir keinen ADO-Bus mehr, das heißt einen von den Schnellen, die sind alle belegt. Also nehmen wir einen AU-Bus, die um einiges langsamer sind. Nach einer Fahrt, die mir wie ewig vorkommt kommen wir wieder einmal ziemlich durchgefroren von der Klimaanlage des Busses in Xalapa an. Als wir diesmal aussteigen, schlägt uns die Kälte ins Gesicht: Scheinbar hat es einen enormen Temperaturabschwung gegeben. Zuhause angekommen, frieren Birga und ich immer noch ganzschön. Vor der Küste von Veracruz ist wohl ein Hurricane unterwegs, der die kalte Luft hier herüberwirbelt. Hoffentlich wird es schnell wieder wärmer. Keine Heizung, keine Isolierung, kein garnichts. Aber DIESES Wochenende werden wir so schnell nicht vergessen.
Und merken schnell, dass er richtig Ahnung hat, denn Eusebio selbst stammt vom Volk der Totonaken ab und ist rund um die antiken Pyramiden aufgewachsen. Er heißt uns sehr höflich auf totonakisch willkommen und spricht uns immer mit "Jovenes" an "Jovenes, les voy a decir lo siguiente" ("Jugendliche: ich werde euch das folgende sagen") Und dann erzählt er von den einzelnen Bedeutungen der Zahlen und Ziffern, Zeichnungen und Namen.
Menschenopferritual der Totonaken in Bildern
"Totonaco" bedeutet "trés Corazones", also "drei Herzen" (toto= trés, naku= corazón). Die größte Pyramide (Pyramide de los Nichos) hat 365 Nischen, die für ein Jahr der Totonaken stehen. Auf verschiedenen Höhen sind immer wieder Altare zu finden, auf denen geopfert wurde was das Zeug hält.
Die Pyramiden sind genauso zwiebelmäßig aufgebaut wie diese russischen Holzpuppen: im tiefsten innern ist eine ganz kleine, darüber eine etwas größere, dann wieder eine etwas größere. Alle 52 Jahre ist eine neue Pyramide über die bisherige gebaut worden. Die Zahl 52 hatte einerseits eine große Bedeutung, wegen der Anzahl der Wochen im Jahr und andererseits, weil man glaubte, dass nach 52 Jahren die Sonne nicht mehr aufgehen würde. Daher wurden in der ganzen Stadt die Lichter gelöscht und mit besonderen Ritualen mehr Menschenopfer denn je dargebracht, um die Sonne davon zu überzeugen, weitere 52 Jahre lang aufzugehen. Eusebio erklärt uns, dass die Totonaken auch für ein Ballspiel bekannt waren, bei dem entweder einer gegen einen, zwei gegen zwei oder drei gegen drei mit einem Ball aus Kautschuk spielten. Spielfeld war die Rasenfläche zwischen zwei Tribünen und einer großen Pyramide, von wo aus der Pushko, der größte Häuptling, das Spiel beobachtete.
Zwischen den beiden Tribünen spielten die Totonaken mit Kautschukbällen. Mit einem Tor war das Spiel gewonnen und der Sieger durfte sich opfern lassen.
Ein Tor zu erzielen war unfassbar schwierig, weil das Tor gerade mal ein bisschen größer war als der Ball und man den Ball nur mit der Hüfte oder den Armen berühren durfte. Daher konnte ein Spiel monatelang andauern. Der Gewinner wurde dann geopfert. War wohl eine große Ehre, als Verbindungsperson zu einem der vielen Götter aus dem Leben zu treten. Sowieso war der Tod das größte Ziel und in welchen der verschiedenen Himmel man dann kam, richtete sich danach, auf welche Weise man starb. Besonders ehrenhaft war der Tod als Krieger oder Menschenopfer. Dann erklärt Eusebio uns, wie man in El Tajín zu seinem Vornamen kam: Das richtete sich nämlich nach dem Tag, an dem man geboren wurde. Ich habe meinen Namen direkt mal erfragt: Jemand der am 30. Juni geboren wurde, hieß dann "Frijol 10", also "Bohne Nummer 10". Nicht schlecht was? Nennt mich von nun an bitte Lisa Gonzalez Apocalypse Navigation Bohne Nummer 10 Mayacoata ;). Eigentlich ist der Monat Juni der Maismonat, aber weil die Monate nur 20 Tage hatten, fällt der 30. Juni schon in den totonakischen Juli und Juli ist der Bohnenmonat. Und wie wurde das Problem gelöst, wenn mehrere Kinder am selben Tag geboren wurden? Ganz einfach..direkt um das eigene Haus herum wurde eine Bahn aus feuchter Erde oder Lehm geschüttet und das erste Tier, das dort einen Abdruck hinterließ vervollständigte dann den Vornamen. Also z.B.: "Bohne Nummer 10 Jaguar". Gut so, solange es nicht "Bohne Nummer 10 Kakerlake" oder "Bohne Nummer 10 Ameise" oder so etwas ist. ;) Eusebio verabschiedet sich auf totonakisch, spanisch und englisch und wir gehen noch ein bisschen auf eigene Faust durch El Tajín, das übrigens bis zum Jahr 1200 existierte.
Zwischendurch kommen Totonakenfrauen aus dem nahen Dorf und wir kaufen ihnen echte Vanilleschoten und Orangen mit Chillipulver ab. Als wir wieder am Ausgang ankommen, sehen wir zum Glück doch noch eine Vorstellung der Voladores: 5 Männer in bunten, traditionellen Trachten sind an einem 30 Meter hohen Pfahl hochgeklettert. Sie werden doch nicht..? Doch, sie werden fliegen, denn Volador bedeutet Flieger. Während vier von ihnen sich ein Seil umschnüren, tanzt der fünfte dort hoch oben in der Mitte des Pfahles zu den Tönen seiner Flöte.
Die Voladores bereiten sich auf ihren "Flug" vor.
Plötzlich lassen sich die vier anderen von dem quadratischen Gestell aus nach hinten fallen und drehen sich immer wieder um den Pfahl herum, sodass das Seil an dem sie hängen nach und nach länger wird. Das machen sie solange, bis sie am Boden angekommen sind. Auch das ist ein totonakisches Ritual, um sowohl Regen als auch Sonne anzuziehen.
Ziemlich beeindruckt von diesem Ort fahren wir wieder zurück nach Papantla.
Teil 2
Am nächsten Mittag nehmen wir den Bus von Papantla nach Tecolutla. Hier wohnt nämlich Papa Tortuga, den wir unbedingt kennenlernen wollen. Als wir aus dem Bus aussteigen, werden wir von geschätzten 7 Einheimischen belagert, die uns entweder in ein Hotel oder ein Restaurant bringen wollen. Juan Antonio ist derjenige, der am wenigsten aufdringlich ist und uns zuschwallt und deshalb gehen wir mit ihm mit. Er bringt uns zu einer Bungalowanlage direkt am Strand. Zu fünft teilen wir uns einen Bungalow. Dann nimmt er uns mit zum Ufer des "Rio Tecolutla", der in hier in Tecolutla in den Golf mündet. Dort nehmen wir eine Lancha (längliches Boot), um eine kleine Rundfahrt zu machen. Auf der Überfahrt zum anderen, etwas weiter entfernten Ufer (schließlich ist der Fluß hier schon sehr breit durch die Flußmündung), zeigen Oscar der Bootsführer und Juan Antonio uns verschiedene Tiere. Wir sehen ganz viele verschiedene Wasservögel, darunter auch Pelikane. Auf einmal hält eine andere Lancha neben uns: Auch wir halten an. Wir haben keine Ahnung was uns da erwartet und plötzlich bekommen wir ein Baby-krokodil entgegengestreckt. Irgendwann überwinde ich mich und nehme es auf die Schulter, wobei mir doch etwas mulmig zumute ist, als es heftig zu zappeln anfängt. Es fühlt sich total weich an und man kann richtig die Rippen und den Herzschlag fühlen.
Nach dem kleinen Krokodilabenteuer biegen wir in einen Seitenarm des Flusses ab, der mir wie eine Höhle vorkommt, so zugewachsen ist er. Es ist ein Mangrovenwald und rechts und links von uns erheben sich die sehr starken und interessant geformten Mangrovenwurzeln aus dem Wasser. Auf den einzelnen Wurzeln sitzen viele knallrote Krebse.
Und dann gibt es einen Wolkenbruch. wir drehen um und wieder auf dem offenen Fluss hilft auch die Dachplane der Lancha nichts- wir werden plitschenass. Als wir wieder an Land gehen, sind die Straßen knöcheltief überschwemmt, sodass nur barfuß gehen Sinn macht.
Dann essen wir in einer Bar zu Mittag. Ganz typisch Enchiladas (Eingerollte Tortillas mit Hähnchen gefüllt) und zum Nachtisch gebratene Bananen. Wieder am Bungalow angekommen regnet es immer noch in Strömen. Eigentlich sollte das ein sonniger Strandtag werden, ich finde es aber garnicht schlimm dass es so doll regnet. Das Meer ist richtig aufgewühlt und am Strand keine Menschenseele. Birga, Robert und ich gehen ins Meer, das viel wärmer ist als die Lufttemperatur.
Es regnet so stark, dass es im Gesicht wehtut. Wir schmeißen uns in die Wellen aber sehen zu, dass wir richtig nah am Strand bleiben, weil selbst hier schon das Wasser einen ziemlichen Sog hat. Dann gehen wir auf die Suche nach der Schildkrötenfarm und Papá Tortuga. Wir finden tatsächlich das Haus und die Bottiche mit den Schildkröten darin, aber es ist schon geschlossen. Am Zaun ist ein Schild, auf dem steht, dass jeden Morgen von 7.30 bis 9 Uhr geöffnet ist. Wir gehen wieder zurück zum Bungalow und machen uns einen ruhigen Abend mit dem in El Tajín gekauften Vanillelikör. Am nächsten Morgen stehen wir um 7 Uhr auf und stehen um kurz nach halb 8 bei Papa Tortuga auf der Matte.
Fernando Manzano hat das Projekt vor 35 begonnen, um verschiedene Arten von Meeresschildkröten zu schützen. Vor 3 Jahren wurde ein 20 minütiger Dokufilm über ihn und sein Projekt gedreht, der auf verschiedenen Filmfestivals Preise gewonnen hat. Und weil ich zufällig den Trailer bei Youtube gesehen habe, wollte ich unbedingt Papa Tortuga und sein Projekt in Tecolutla kennenlernen. Es ist schon ein bisschen aufregend, den echten Papá Tortuga live zu sehen. Bevor ihr weiterlest: Bitte guckt euch auf jeden Fall den Trailer auf Youtube an, allein der hat mich schon ziemlich beeindruckt.
http://www.youtube.com/watch?v=1FOdQdHZ9EE
oder bei Youtube einfach "Papa Tortuga" eingeben. Edgar, einer der Volontäre des Projekts, erklärt einer Gruppe von mexikanischen Touristen bereits das Projekt. Wir stellen uns einfach dazu und erfahren alles über die Schildkröten und die Arbeit der "Grupo Ecologista Vida Milenaria".
- auf der ganzen Welt ist Mexiko das Land mit den meisten Reptilienarten, ein bedeutender Teil davon sind Schildkröten
- sieben von acht verschiedenen Meeresschildkrötenarten gibt es in Mexiko
- sie alle sind vom Aussterben bedroht, besonders die Schildkrötenart "Lora"
- pro Jahr entlassen die Mitarbeiter des Projekts, sowie Touristen und Schulklassen mehr als 70.000 kleine Schildkröten ins Meer
- nach ca. 40- 45 Tagen schlüpfen die Eier eines Schildkrötennests.
Sogar eine Albinoschildkröte bekommen wir zu Gesicht. Die kommen wahrscheinlich so häufig vor wie ein richtiger englischer Satz aus Guido Westerwelles Mund.
Alle Besucher versammeln sich um einen Karton, in dem es ziemlich wuselt: Ca. 40 kleine Schildegards sind darin- und kaum zu glauben: sie sind erst vier Stunden alt. Wir dürfen jeder eine auf die Hand nehmen und sind alle erstaunt, welch eine enorme Kraft bereits in ihren Vorderflossen steckt. Eine ausgewachsene dieser Schildkröten wiegt später einmal bis zu 250 Kilogramm.
Wir kaufen alle ein Schildkrötensouvenir, um finanziell etwas zum Projekt beizutragen. Liebend gern würden wir eine Schildkröte freilassen, das ist sozusagen das große Erlebnis was man dort haben kann, aber an diesem Tag ist das Meer viel zu aufgewühlt, die Babytortugas würden direkt wieder an Land gespült und von den Hunden mitgenommen werden. Das ist ziemlich schade, weil wir uns schon sehr darauf gefreut hatten, aber dann geschieht etwas, was alles wieder gut macht: Wir kommen mit Papa Tortuga ins Gespräch und dann lädt er uns auf einen Kaffee in sein Haus ein. Gute zwei Stunden sitzen wir bei einer wärmenden Tasse Kaffee um den Tisch herum und hören ihm zu, wie er das Projekt entwickelt hat. Hinter uns steht ein weiterer Karton, in dem es verdächtig nach kleinen Schildis raschelt. In seiner Kindheit wurden bei ihm zu Hause Schildkrötenfleisch und Schildkröteneier gegessen. Irgendwann sah er dann einen Dokumentarfilm über ein Schildkrötenprojekt auf den Philippinen und zufällig am selben Tag entdeckte er ein Schildkrötennest. Er nimmt es mit nach Hause und sein Bruder will sich schon über die Eier hermachen, aber er sagt dass er gucken möchte ob sie schlüpfen. Und tatsächlich: sie schlüpfen. Nach und nach beginnt er, sich für die Meeresschildkröten einzusetzen. Wir sind alle total gerührt, als er sagt "Das ist mein Teil, den ich für den Planeten Erde beitrage - meine Lebensaufgabe" und er wischt sich eine Träne weg. Man merkt, wieviel Herzblut in der Sache steckt. Am Anfang war es für ihn wohl unfassbar schwer, sein Umfeld von seinem Vorhaben zu überzeugen, aber nach und nach bekam er mehr Vertrauen entgegen gebracht. Das Projekt lebt von Spenden und Touristen, die mexikanische Regierung unterstützt es nicht, aber die Projektleute wollen auch keine Unterstützung der Regierung. Denn dann würden die Biologen und die Bürokratie und die Vorschriften kommen. Er beschwert sich ziemlich über die korrupte mexikanische Regierung und erzählt einen Witz: Mexiko ist das zweitkorrupteste Land der Welt. Warum? - Die Regierung hat die Statistiker dafür bezahlt, dass es nur an zweiter Stelle erscheint ;) . Am Anfang hat er sich oft mit den Fischern angelegt, die die Schildkröten und Schildkröteneier eingesammelt haben. Dann haben sie angefangen, miteinander zu sprechen und schließlich wurden sie im Projekt eingestellt und machen heute sozusagen das Gegenteil als noch vor 30 Jahren. Er erzählt uns, dass er nie in die Schule gegangen ist, aber hat ein unfassbares Allgemeinwissen. Wir unterhalten uns mit ihm über verschiedene geschichtliche Ereignisse und darüber, dass Deutschland sehr wenig Nationalstolz hat. Zum Abschluss machen wir noch ein gemeinsames Foto mit ihm.
Er bietet uns an, als Freiwilligendienstler im Projekt mitzuarbeiten. Dann verabschieden wir uns. Zwar haben wir keine Schildkröte ins Meer gesetzt, aber die Kaffeerunde mit Fernando Manzano hat alles wieder rausgerissen. Nach diesem wunderbaren Ereignis gehen wir frühstücken. Auf dem Rückweg zum Bungalow werden wir ziemlich nass. FÜr den Rückweg nach Xalapa bekommen wir keinen ADO-Bus mehr, das heißt einen von den Schnellen, die sind alle belegt. Also nehmen wir einen AU-Bus, die um einiges langsamer sind. Nach einer Fahrt, die mir wie ewig vorkommt kommen wir wieder einmal ziemlich durchgefroren von der Klimaanlage des Busses in Xalapa an. Als wir diesmal aussteigen, schlägt uns die Kälte ins Gesicht: Scheinbar hat es einen enormen Temperaturabschwung gegeben. Zuhause angekommen, frieren Birga und ich immer noch ganzschön. Vor der Küste von Veracruz ist wohl ein Hurricane unterwegs, der die kalte Luft hier herüberwirbelt. Hoffentlich wird es schnell wieder wärmer. Keine Heizung, keine Isolierung, kein garnichts. Aber DIESES Wochenende werden wir so schnell nicht vergessen.
Mittwoch, 14. Oktober 2009
Mucha Lucha: Wrestling mit Dr. Wagner, La Parka und dem Mesias
4 Mexikaner, 4 Deutsche, 1 Österreicherin, 1 Italiener und 1 Quebecer machen sich am Freitag den 9. Oktober auf, um in der Arena zu Xalapa die Elite mexikanischer Wrestler aufeinander treffen zu sehen. Im Vorhinein habe ich ziemlich gezweifelt, ob ich mir das Spektakel wirklich antun könnte. Und im Nachhinein muss ich sagen: Je ne regrette rien. Wir kommen also an der Arena an und schlagen uns ersteinmal an der meterlangen Verkaufsmeile von original Wrestlingmasken vorbei, geradewegs auf den Eingang zu. Wir treten ein- und: Spot und Kamera werden auf uns gerichtet. Die Arenaleinwand und das mexikanische Fernsehen strahlen uns gerade aus. Wir setzen uns direkt unter den Kamerakran und kurz darauf fragt der Kameramann ob wir uns bitte woanders hinsetzen könnten, er könne uns in dieser Ecke der Arena so schlecht mit der Kamera einfangen. Wirklich komisch bis unangenehm immer diese Sonderbehandlung zu bekommen, nur weil man aus Europa kommt. Wir bleiben natürlich schön auf unseren Plätzen und das ist auch gut so. Und dann -nach ewiger Warterei- geht es endlich los. Funkenfontänen sprühen und die ersten Stars kommen in den Ring gestürmt. Stars sind hier z.b. Dr. Wagner Jr. (DER Wrestler schlechtin von Xalapa), La Parka (hautenger Skelettanzug), der Mesias (helle Kontaktlinsen und schwarzes langes Haar) und schließlich der Italiener Marco Corleone. Der Typ sieht aus wie ein übelst aufgepumpter Ken und ist der absolute Star- die mexikanischen Muttis neben mir werden fast ohnmächtig vor hyperventilierartigem Geschrei. Ich muss mich total kaputtlachen als er stolzen Schrittes auf den Ring zumarschiert: Es wird nämlich eine Musik gespielt, die alles andere als kämpferischer Natur bzw. Kill-Bill-Soundtrack ist: Alalabamba oder wie das auch immer heißt. Ihr wisst was ich meine. Da erwartet man die dröhnensten Hardcore-töne aus den Boxen und dann so ne Softie-Mucke. Hätte wahrscheinlich nicht viel gefehlt und sie hätten "I`m a big big girl" gespielt. ;) Dann klettert jeder einzelne erstmal in den einzelnen Ecken des Rings hoch, um sich dem Publikum zuzuwenden und sich zujubeln zu lassen. Und dann gehts los. Die Kämpfe sehen teilweise schon schmerzhaft aus, aber es scheint so, als würden da schon ganz schön viele Stuntman-Tricks angewandt. Zwischendurch ist die ganze Show nämlich mehr eine Mischung aus Akrobatik und Theater als ein echter Kampf. Wenn gehauen wird, wird gleichzeitig auf den Boden gestampft. Und dann kommen Frauen in den Ring. Machen vor nichts Halt. Das an-den-Haaren-ziehen sieht jedenfalls höchst unangenehm aus. Aber irgendwie finde ich dass der Frauenpart aufgesetzt wirkt, bei den Männern kommt das viel natürlicher rüber. Der allerbeste Teil des gesamten Spektakels sind die Outfits. Von Gothic-typ über Obermacho-Ken über den Tod in Skelettform bishin zu einem Dalmatineroutfit hat man immer schön Abwechslung. Und ganz oft sind eben die obligatorischen Masken im Spiel. Und immer schön mit Live-kommentar zwischendurch.
Neben mir sitzt/steht/steht auf dem Stuhl: eine Frau mit einem Baby, das ist bestimmt noch nicht älter als 3 Monate. Wie kann man mit so einem kleinen Kind in die Arena gehen? Das hat jetzt schon den Hörschaden seines Lebens. Da fällt mir gerade wieder etwas ein: Letztens waren wir im Kino in dem Horrorfilm "Drag me to hell" (Arrastrame al infierno), der wirklich nicht ohne war und in dem es einige Stellen gab, in denen wir vor Schreck fast geschrien hätten. Und plötzlich fängt irgendwo hinter uns ein Kleinkind an zu schreien. HALLOOOOOO? GEHT ES DENN NOCH? Da fehlen einem echt die Worte. Ganz zu schweigen von der Ausstellung über "Serienkiller, die in die Geschichte eingegangen sind" mit den jeweiligen nachgebildeten Figuren und ihren Vorgehensweisen. Auch da sind mal wieder irgendwelche Leute mit ihrem 3-jährigen reingegangen, um nach 5 MInuten mit dem schreienden Kind wieder rausgekommen. Und in der Disco sitzt den ganzen Abend eine 10-jährige alleine auf nem Barhocker und guckt zu wie ihre Mutter Party macht. Am liebsten hätte ich was gesagt. Das kann doch alles nicht sein! Sehr widersprüchlich, denn an anderer Stelle sind ultraviele Leute dann wieder überüberüber-vorsichtig mit ihren Kindern.
Aber um nochmal auf die Luchas zu sprechen zu kommen: Die gehören auf jeden Fall in die Seele eines echten Mexikaners und somit MUSS man es einmal gesehen haben. Was für ein Spaß. Nichts bereut und Dr. Wagner rockt!
Ich empfehle euch wirklich, die echt guten Fotos von Patrick dem Quebecer (?) anzugucken. Hier der Link: http://s953.photobucket.com/albums/ae15/rungekutta666/?albumview=grid

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Neben mir sitzt/steht/steht auf dem Stuhl: eine Frau mit einem Baby, das ist bestimmt noch nicht älter als 3 Monate. Wie kann man mit so einem kleinen Kind in die Arena gehen? Das hat jetzt schon den Hörschaden seines Lebens. Da fällt mir gerade wieder etwas ein: Letztens waren wir im Kino in dem Horrorfilm "Drag me to hell" (Arrastrame al infierno), der wirklich nicht ohne war und in dem es einige Stellen gab, in denen wir vor Schreck fast geschrien hätten. Und plötzlich fängt irgendwo hinter uns ein Kleinkind an zu schreien. HALLOOOOOO? GEHT ES DENN NOCH? Da fehlen einem echt die Worte. Ganz zu schweigen von der Ausstellung über "Serienkiller, die in die Geschichte eingegangen sind" mit den jeweiligen nachgebildeten Figuren und ihren Vorgehensweisen. Auch da sind mal wieder irgendwelche Leute mit ihrem 3-jährigen reingegangen, um nach 5 MInuten mit dem schreienden Kind wieder rausgekommen. Und in der Disco sitzt den ganzen Abend eine 10-jährige alleine auf nem Barhocker und guckt zu wie ihre Mutter Party macht. Am liebsten hätte ich was gesagt. Das kann doch alles nicht sein! Sehr widersprüchlich, denn an anderer Stelle sind ultraviele Leute dann wieder überüberüber-vorsichtig mit ihren Kindern.
Aber um nochmal auf die Luchas zu sprechen zu kommen: Die gehören auf jeden Fall in die Seele eines echten Mexikaners und somit MUSS man es einmal gesehen haben. Was für ein Spaß. Nichts bereut und Dr. Wagner rockt!
Ich empfehle euch wirklich, die echt guten Fotos von Patrick dem Quebecer (?) anzugucken. Hier der Link: http://s953.photobucket.com/albums/ae15/rungekutta666/?albumview=grid

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Samstag, 10. Oktober 2009
Jacomulco- und der Forest hat gebeatet
Am nächsten Tag gings nach Jacomulco- ein Dorf ganz in der Nähe von Xalapa. Zu fünft haben wir uns Mittags in Xalapa aufgemacht und nach drei Umstiegen von einen in den anderen Bus sind wir nach einer Ewigkeit im Paradies angekommen: Balnearo del Rey. In einer Schlucht direkt neben einem breiten reißenden Fluss war ein Freibad und dort sollte das "Forest Beat", ein Reggae-Drum`n`base - Festival sein. Es war alles etwas anders als wir uns das vorgestellt hatten, es gab keine Livebands sondern DJs und insgesamt kamen nur ca. 200 Leute. Und trotzdem hatte dieser Ort eine ganz besondere Stimmung. Wir sind immer abwechselnd schwimmen gegangen, haben am Rand gesessen, etwas getrunken, der Musik zugehört und später dann in den Vollmond geguckt. Das war wie in einer anderen Welt. Mitten in der Nacht dann mit Taxi zurück nach Xalapa- und das für ein sechstel der Zeit des Hinweges und für die Hälfte des Geldes der Bustickets.
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erfrischendes Getränk nach einem Bad in meinem Lieblingsfreibad
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erfrischendes Getränk nach einem Bad in meinem Lieblingsfreibad
Frischfleisch aus Europa oder in Villa Rica zu Gast bei Hermann Korte
Am vergangenen Freitag haben Eva, Robert, Silvia uns zu einem Strandtag aufgemacht. Mit verschiedenen Bussen gings richtung VillaRica. Ein wunderbarer Strand mit Palmblattkonstruktionen als Schattenspender und Palmen und allem was ein Strand haben muss hat uns erwartet, noch dazu fast menschenleer. Wenn einem mal wieder zu heiß war ist man eben ins Wasser gegangen, was wirklich die perfekte Temperatur hatte. Ich konnte nicht aufhören, mir die Landschaft drumherum immer wieder anzusehen, weil diese riesigen grün bewachsenen Hügel einfach nach dem typischen Landstrich aussahen, den jemand von einem Schiff aus entdeckt und brüllt "LAND IN SICHT". Wie im Film. Tatsächlich hat vor 490 Jahren Hernán Cortés genau an diesem Strand die Anker geworfen. Aber er ist ja sprunghaft von Yucatán aus an der Küste hochgefahren. Da war das "Land in Sicht" wahrscheinlich nicht mehr die absolute Neuheit ;) Trotzdem, als ich so am Strand saß und meine Kokosnuss geschlürft habe, habe ich mir versucht vorzustellen, wo sie wohl angelegt haben um dann mit kleinen Ruderbooten an Land zu gehen. Als wir genug von Sonne, Sand und Salzwasser hatten haben wir noch einen kleinen Abstecher zum damaligen Haus von Hermann Korte gemacht. Es war etwas komisch, weil es kaum ausgeschildert war und als wir dort waren, sind wir fast daran vorbeigelaufen: Eine Ruine mit Grundmauern, von denen noch ein halber Meter Höhe übrig war, tat sich vor uns auf. Einerseits konnte man sich richtig gut vorstellen, wie der Hermann von diesem etwas höher gelegenen Punkt aus über die ganze Bucht geschaut hat. Andererseits konnte ich mir absolut nicht vorstellen, dass diese vollkommen unauffällige Ruine ohne Schild, ohne Gedenktafel, ohne alles wirklich ein Cortés-Sitz gewesen sein soll. Obwohl die Anwohner dort uns das versichert haben. Müsteriöööös. Naja jedenfalls war Hermann nicht zu Hause und hat uns auch keinen Kaffee angeboten und von daher haben wir uns aber auch ganzschön schnell wieder aus dem Staub gemacht, zumal man die Denkblase der dortigen Mosquitos förmlich sehen konnte "ahhh hmmmm mjamjam, Frischfleisch aus Europa". Armer Hermann, zu seiner Zeit gabs ja nichtmal Autan.
Auf dem Foto stehe ich gerade in Hermann Kortes Haus. Und dann noch zwei Landschaftsbilder. Also wenn das mal nicht nach Land-in-Sicht aussieht!!!!!!!!!
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Auf dem Foto stehe ich gerade in Hermann Kortes Haus. Und dann noch zwei Landschaftsbilder. Also wenn das mal nicht nach Land-in-Sicht aussieht!!!!!!!!!
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Wunderbare Welt der Liquidos
Freunde der Nacht und des Tags, des Regens und der Sonne- entschuldigt meine viel zu lang andauernde Blogpause. Jetzt kommen die Einträge schlag auf schlag!Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit Agua de Jamaica. Das ist nämlich mein neues Lieblingsgetränk. Eins steht fest- wenn ich wieder aus Mexiko abreise, dann wird ein fetter Beutel mit getrockneten Hibiskusblüten mein Gepäck einnehmen. Daraus wird Agua de Jamaica nämlich gemacht. Eigentlich ist es wie ein normaler Früchtetee, nur dass er kalt getrunken wird und soo gut schmeckt. Wenn man in irgendeinem Café oder Restaurant ist, kann man immer "agua de sabor" bestellen, also Wasser mit Geschmack. Und da haben sie dann Agua de Jamaica, Agua de Horchata (mir Reis- oder Kokosgeschmack, sieht etwas milchig aus), Agua de Limón, Agua de Guanabana (die Frucht selbst habe ich noch nicht probiert, sieht aber meiner Lieblingsfrucht Chirimoya sehr ähnlich) und unendlich viele Sorten mehr. I love Wasser mit Geschmack.
Wo wir schonmal bei Getränken sind: Vor ein paar Tagen waren wir zu mehreren Leuten in "La Chiva", eine ganz nette Kneipe. An der Wand sind viele kleine Tafeln, die anzeigen, welches Bier aus welchem Land sie anbieten(z.b. Irlanda: Guinness, Holanda: Heineken,..) und dann--- die Deutschlandtafel: Alemania: WARFTEINER. Ich konnte nicht mehr vor Lachen, als Robert "Para mi un WARFTEINER, por favor" bestellt hat. Armer Kellner, hat verwirrt geguckt. Wahrscheinlich kam das so, weil das "s" auf den Warsteinerflaschen in alter Schreibweise geschrieben ist und daher wie ein "f" aussieht.
Und noch etwas ist getränkemäßig passiert: Ich habe "Michelada" probiert. Bier mit Chillipulver und noch irgendetwas exotischem darin. No no, das ist nicht mein Ding. Habe es nicht leer getrunken.
Apropos Wasser- Um Trinkwasser zu haben müssen wir immer einen 20-Liter-Bottich hier den Berg hochschleppen. Da kommt dann ein Spender dran und dann kann man sich das gute Ciel-Wasser von der Coca-Cola-Company (von wem auch sonst!) direkt abzapfen. Aus dem Hahn sollte man es jedenfalls nicht trinken.
Wo wir schonmal bei Getränken sind: Vor ein paar Tagen waren wir zu mehreren Leuten in "La Chiva", eine ganz nette Kneipe. An der Wand sind viele kleine Tafeln, die anzeigen, welches Bier aus welchem Land sie anbieten(z.b. Irlanda: Guinness, Holanda: Heineken,..) und dann--- die Deutschlandtafel: Alemania: WARFTEINER. Ich konnte nicht mehr vor Lachen, als Robert "Para mi un WARFTEINER, por favor" bestellt hat. Armer Kellner, hat verwirrt geguckt. Wahrscheinlich kam das so, weil das "s" auf den Warsteinerflaschen in alter Schreibweise geschrieben ist und daher wie ein "f" aussieht.
Und noch etwas ist getränkemäßig passiert: Ich habe "Michelada" probiert. Bier mit Chillipulver und noch irgendetwas exotischem darin. No no, das ist nicht mein Ding. Habe es nicht leer getrunken.
Apropos Wasser- Um Trinkwasser zu haben müssen wir immer einen 20-Liter-Bottich hier den Berg hochschleppen. Da kommt dann ein Spender dran und dann kann man sich das gute Ciel-Wasser von der Coca-Cola-Company (von wem auch sonst!) direkt abzapfen. Aus dem Hahn sollte man es jedenfalls nicht trinken.
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