Sonntag, 23. August 2009

Augen auf--- und durch: Mexiko-Stadt (Distrito Federal)

Ich bin da, ich bin da, ich bin da. Zumindest körperlich, aber so ganz ist es noch nicht im Kopf angekommen. Nachdem ich ungefähr 7 Stunden bevor mein Flug von Münster gehen sollte durch Zufall gemerkt habe, dass er dann doch auf Düsseldorf umgebucht wurde und diesen kleinen Schock überstanden hatte, ging alles glatt. Düsseldorf-Paris und von Paris-Mexiko, Distrito Federal.12 Stunden Flug haben dann aber auch gereicht. Kurz vor der Landung in Mexiko-Stadt war ein unfassbar weitläufiges, nicht enden wollendes Lichtermeer zu sehen, das zu jeder Seite bis zum Horizont ging. Ich kann mir immernoch nicht vorstellen, dass man vom Westen in den Osten der Stadt nur 30 Minuten mit der Metro braucht. Aber natürlich sind viele kleine Städte an den Distrito Federal angegliedert, die da wahrscheinlich nicht mitgezählt werden, die aber diese unglaubliche Weite erklären. Nachdem das Flughafenpersonal durch meine Unterschrift sichergestellt hatte, dass ich keine Lebensmittel einliefere und keine Schweinegrippe mitbringe, konnte ich durch das Gate gehen und...blickte direkt auf ein Plakat mit der Aufschrift:

„Bienvenidos a Mexico, Lisa“ Ich war erstmal versunsichert, ob ich gemeint war, aber als Adrian und Maggie mir fröhlich zugewinkten, konnte ich mir sicher sein. Über ein paar Ecken habe ich Maggie kennengelernt und sie hat dann einfach mal Adrian, einen guten Freund von ihr, mitgebracht. Und dann haben die beiden mich mitgenommen auf eine Rundfahrt durch den D.F: (Distrito Federal), sprich: Mexiko-Stadt. Wir haben gesehen: Den zentralen Gerichtshof, das Parlament, die Kathedrale, die Säule der Unabhängigkeit und den Parque Central. Dann sind wir auch an dem Hauptplatz der Mariachis vorbeigekommen. Eigentlich waren das ja mal diejenigen, die vor den Balkonen ihrer Angebeteten gesungen haben. Inzwischen ist es aber eher so, dass man sie einfach "mieten" und mit nach Hause nehmen kann und dann spielen sie für die Oma, das Geburtstagskind, den Schwippschwager - was auch immer man möchte. Oder man geht einfach auf den Platz und wünscht sich ein Lied bei einer der Mariachi-Gruppen. Im Vorbeifahren sind die Mariachis neben unserem Auto hergelaufen und haben gerufen „Ich singe alles was sie wollen“ =)

Die Straßen heißen Iztaccihuatl oder einfach Avenida Zaragoza und die Querstraßen sind oft einfach durchnummeriert. (Calle 1, Calle 2, ...)

In den Straßen riecht es enorm nach Friteusenfett. Ganz viel wird einfach unter freiem Himmel zubereitet und überhaupt spielt sich vieles einfach unter Zeltplanen und Pavillions ab.

Was mir ganz schnell positiv aufgefallen ist, ist, dass es unglaublich viele VW- Käfer gibt, die sogenannten Vochos /Bochos. Oft werden sie auch als Taxis eingesetzt.

Am nächsten Morgen sind Maggie und ich noch einmal in die Stadt gefahren und da habe ich Bekanntschaft mit sehr kleinen, klapprigen Stadtbussen gemacht, die quasi weder Vorder- noch Hintertür haben. Ein ständiges Hop-on, hop-off. In der Stadt haben wir uns mit Avi getroffen, ein Freund von Maggie, der nun von Xalapa in den D.F. gezogen ist. Er hat zu mirgesagt, ich solle mir kein Hostel suchen, ich könnte doch bei seiner Freundin übernachten. Dann hat er kurz mit Citlal telefoniert und schon hatte ich eine Übernachtungsmöglichkeit. Diese ständige Hilfsbereitschaft ist allgegenwärtig und unübertrefflich.

Die Ubahnen sind ein Erlebnis. Wenn sie nicht gerade so vollgestopft sind, dass man eigentlich nur damit beschäftigt ist, den Kopf in die Höhe zu halten um zu atmen, kommen Verkäufer jeglicher Art herein: Verkäufer, die ihre Kaugummis aufs äußerste anpreisen, Verkäufer von Straßenkarten, Lesebrillen oder die Bibel als Hörspiel. Die mit der Bibel als Hörspiel haben dann einen Kassettenrekorder dabei, der eine mysthische Musik abspielt und plötzlich ertönt eine bedächtige Stimme und sagt so etwas wie „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Langweilig wird es also nie. Man bekommt ein wenig das Gefühl, eigentlich garnicht mehr irgendwo einkaufen zu müssen- die Ubahn ist der Supermarkt!! Oder es kommen viele Musiker und spielen Melodika oder Akkordeon.

Die Stadt ist zwischen Provisorium und majestätischem Palast ziemlich gegensätzlich. Es gibt sogar einen Stadtteil, Santa Fé, wo eine Schickeria-Zone mitten in den Slum hineingebaut wurde. Ich selbst war nicht da, aber Maggie hat es mir erzählt.

Der Bus in dem ich gerade sitze ist wirklich luxuriös. Und für eine 360 Kilometer-Fahrt nach Xalapa sind 250 Pesos nicht zu teuer. Wir sind aber schon einige Zeit unterwegs und nur ganz allmählich lichten sich die Häuser , sodass man das Gefühl bekommt wirklich auf der Autobahn unterwegs zu sein. Es ist bewölkt aber warm und je weiter wir fahren, desto mehr sieht die Landschaft nach Urwald aus

Hätte ich Maggie nicht gehabt, wäre ich erstmal relativ verloren gewesen. Aber statt verloren zu gehen, bin ich nun in Xalapa angekommen. Welch ein Glück!






1 Kommentar:

  1. Ahoi Lisa,

    gibt also endlich wieder was zu lesen. ;-)
    Freu mich schon auf weitere Berichte und Fotos. Habe Montag schon von Robert gehört, dass Du Dich wieder einmal in die Ferne abgesetzt hast.
    Wünsche Dir viel Spaß, knipps mir viele alte Autos und bis Bald,

    Düppy

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