Donnerstag, 27. August 2009

La Universidad, Facultad de Humanidades

Juhuu, am Montag war mein erster Uni-tag! Komisches Gefuehl. Mein erster Kurs hiess "Historia social y cultural" (soziale und kulturelle Geschichte Mexikos) Irgendwie erzaehlt der Maestro die ganze Zeit von sich, von seinen Grosseltern und von seiner Zeit in Spanien. Das grosse Thema der ersten Sitzung war "Coca Cola". Er meinte, dass Coca Cola ja auch eine Art von Kultur ist und hat dann erstmal erzaehlt, dass er damals in Spanien Cola mit Wein getrunken hat. Und dann habe ich glaube ich fuer einen kleinen Skandal gesorgt: Er hat sich dann an mich gewandt und gefragt, ob man in Deutschland auch Cola mit Wein trinkt. Ich habe dann einfach die Wahrheit gesagt und meinte "Nein, eher nicht, aber mit Bier wird Cola ganz viel getrunken". Der ganze Kurs war am bruellen. Keiner konnte sich das vorstellen ( jaja, aber Bier mit CHILLI UND SALZ TRINKEN, DAS GEHT DANN WIEDER ODER WIE??!! ;))
In der Sitzung darauf hat der Maestro mir dann entgueltig den Eindruck verschafft, dass er selber garnicht weiss, wovon der Kurs handeln soll: Er hat dann erstmal gefragt "Eine Bibliothek, was ist das?" Ok, immerhin hat er uns dann gute Tipps gegeben wo wir hin gehen koennen. Und dann kam der Kracher: "Ein Buch, was ist das?" Und dann hat er uns aufschreiben lassen, welche Buecher wir schon so gelesen haben. Wir haben dann gefragt "Buecher welcher Art??" und er meinte "Egal, irgendwelche!" Und dann musste jeder seine Liste von Buechern vorlesen, die er mal irgendwann gelesen hat (im Nachhinein aergere ich mich, dass ich nicht die Telefonbuecher von Rheda-Wiedenbrueck 1994- 2009 aufgezaehlt habe =) ) und dann war die Sitzung vorbei. Also wirklich viel ueber Mexiko wird das glaube ich nicht vermitteln. Aber dafuer sind meine anderen beiden Kurse ziemlich gut. Beide bei dem selben Maestro, allerdings beide jeweils von 7- 10 Uhr Morgens!!!!!!!!!!!! drei Stunden am Stueck ohne Pause. Das ist hart. Einer heisst "America contemporánea "(Das zeitgenoessische Amerika) und "Conformacíon regional y cultural de Veracruz" (regionale und kulturelle Entstehung/Gestaltung von Veracruz). Veracruz ist quasi der Staat in dem Xalapa liegt. (Estado de Veracruz). Achja, beim ersten Mal ist der Maestro allerdings EINE STUNDE zu spaet gekommen. Man steht dann da und denkt "grr ich haette eine Stunde laenger schlafen koennen" und hat uns dann gesagt "Wer 15 Minuten zu spaet in den Kurs kommt, hat keinen Zutritt mehr" Witzbold, bei dem Verkehr hier. Und dann habe ich noch einen Kurs namens "Literatura Mexicana del siglo 19" (mexikanische Literatur des 19.Jahrhunderts) Das dreht sich also ziemlich viel um die Unabhaengigkeit Mexikos. Der Kurs verspricht also auch gut zu werden. Also drei von vier Kursen gefallen mir auf den ersten Eindruck, damit kann man doch leben.

Montag, 24. August 2009

Reizüberflutung Xalapa

Soo inzwischen bin ich schon fast eine Woche in Xalapa. Weil so viele Dinge in so kurzer Zeit passiert sind, kommt es mir aber schon viel länger vor. In der "Sesión de Orientación" in der Escuela para Estudiantes Extranjeros (Schule für ausländische Studierende) wurden wir sehr herzlich empfangen und uns wurde viel über die Uni und die Stadt erzählt. Fast haben wir uns schon etwas bemuttert gefühlt, als die EEE-Direktorin gesagt hat "Und guckt immer schön nach links und rechts wenn ihr über die Straße geht. Wir Xalapenos sind immer sehr freundschaftlich, aber wenn wir am Steuer sitzen werden wir aggressiv" (so sinngemäß) Und ich kann nur sagen: DAS STIMMT!! Der Verkehr hier ist wirklich sehr gewöhnungsbedürftig. In der innersten Innenstadt gibts ein paar Fußgängerampeln, bei den restlichen Straßenüberquerungen muss man eben gucken dass man sich schnell hinüberschwingt. Ich habe hier auch noch keinen einzigen Kinderwagen oder Rollstuhl gesehen, das allerdings wäre bei den Bürgersteigen auch undenkbar. Es geht oft steil bergauf- oder bergab und die Gehwege sind oft voll und total huckelig. Alle Leute tragen ihre Babys auf dem Arm, Kleinkinder werden oft angeleint. Das ist erstmal befremdlich, aber bei diesem Verkehr macht es wirklich Sinn. Ansonsten ist Xalapa aber sehr schön. Es gibt viele kleine Parks, einen kleinen See (wo ich allerdings noch nicht war) und immer wieder kleine Gassen, in denen man alles mögliche kaufen kann. Die Häuser sind in allen erdenklichen Knallfarben angemalt und überall sprüht es nur so vor Leben.
Übrigens, in der Orientierungssitzung in der EEE habe ich ein Mädchen gesehen, bei der ich die ganze Zeit dachte "das ist doch die aus Rheda die auch damals mit auf Korsika war. ach quatsch, du verwechselst sie" Dann habe ich sie aber doch angesprochen und wir haben uns eine halbe Stunde lang totgelacht. So einen Zufall gibts ja wohl nicht! Birga aus Rheda ist auch hier als Austauschstudentin =)und war damals auch mit in der Jugendfreizeit auf Korsika.Außer ihr kenne ich bisher: Silvia, die studiert mit Birga in Frankfurt a.d.Oder und Robert und Eva aus Trier, Andrea aus Turin, Olaf aus Xalapa (Ja, er ist Mexikaner und heißt OLAF!!!), Michel aus Xalapa, und Beate aus Österreich. Heute um 17 Uhr habe ich meine erste Uni-Veranstaltung. Der Kurs heißt "Historia social y cultural" und da werde ich ja dann auch noch Einheimische kennenlernen. Gestern waren wir alle in Xico, einem Dorf so ca. 15 km von Xalapa entfernt, wo wir uns die Wasserfälle angeschaut haben (siehe Fotos)Es war absolut schön dort, überall waren Bananenpflanzen, Kaffeepflanzen und komische Tiere. Das einzig blöde war, dass ich vollkommen von den Mosquitos zerstochen wurde. An meinem linken Bein habe ich 70 Stiche gezählt und an dem rechten erst garnicht angefangen zu zählen. Und das trotz Mückenschutzmittel. Werde mir jetzt aber den Ferrari unter den Mückenmitteln und gleichzeitig die absolute Chemieschleuder holen. Der Name "OFF" sagt schon alles. Besser als gestochen zu werden, weil es unglaublich juckt. Und nächstes Mal: lange Hose. Obwohl es wirklich heiß war gestern. Aber generell ist das Klima hier sehr angenehm...immer so um die 26 Grad (geschätzt) und klare Luft. So das wars erstmal, mehr gibts in ein paar Tagen! Saludoooos Lisa

Die erste Woche in ein paar Bildern







Auf dem Weg von Mexiko-Stadt nach Xalapa

Sonntag, 23. August 2009

Augen auf--- und durch: Mexiko-Stadt (Distrito Federal)

Ich bin da, ich bin da, ich bin da. Zumindest körperlich, aber so ganz ist es noch nicht im Kopf angekommen. Nachdem ich ungefähr 7 Stunden bevor mein Flug von Münster gehen sollte durch Zufall gemerkt habe, dass er dann doch auf Düsseldorf umgebucht wurde und diesen kleinen Schock überstanden hatte, ging alles glatt. Düsseldorf-Paris und von Paris-Mexiko, Distrito Federal.12 Stunden Flug haben dann aber auch gereicht. Kurz vor der Landung in Mexiko-Stadt war ein unfassbar weitläufiges, nicht enden wollendes Lichtermeer zu sehen, das zu jeder Seite bis zum Horizont ging. Ich kann mir immernoch nicht vorstellen, dass man vom Westen in den Osten der Stadt nur 30 Minuten mit der Metro braucht. Aber natürlich sind viele kleine Städte an den Distrito Federal angegliedert, die da wahrscheinlich nicht mitgezählt werden, die aber diese unglaubliche Weite erklären. Nachdem das Flughafenpersonal durch meine Unterschrift sichergestellt hatte, dass ich keine Lebensmittel einliefere und keine Schweinegrippe mitbringe, konnte ich durch das Gate gehen und...blickte direkt auf ein Plakat mit der Aufschrift:

„Bienvenidos a Mexico, Lisa“ Ich war erstmal versunsichert, ob ich gemeint war, aber als Adrian und Maggie mir fröhlich zugewinkten, konnte ich mir sicher sein. Über ein paar Ecken habe ich Maggie kennengelernt und sie hat dann einfach mal Adrian, einen guten Freund von ihr, mitgebracht. Und dann haben die beiden mich mitgenommen auf eine Rundfahrt durch den D.F: (Distrito Federal), sprich: Mexiko-Stadt. Wir haben gesehen: Den zentralen Gerichtshof, das Parlament, die Kathedrale, die Säule der Unabhängigkeit und den Parque Central. Dann sind wir auch an dem Hauptplatz der Mariachis vorbeigekommen. Eigentlich waren das ja mal diejenigen, die vor den Balkonen ihrer Angebeteten gesungen haben. Inzwischen ist es aber eher so, dass man sie einfach "mieten" und mit nach Hause nehmen kann und dann spielen sie für die Oma, das Geburtstagskind, den Schwippschwager - was auch immer man möchte. Oder man geht einfach auf den Platz und wünscht sich ein Lied bei einer der Mariachi-Gruppen. Im Vorbeifahren sind die Mariachis neben unserem Auto hergelaufen und haben gerufen „Ich singe alles was sie wollen“ =)

Die Straßen heißen Iztaccihuatl oder einfach Avenida Zaragoza und die Querstraßen sind oft einfach durchnummeriert. (Calle 1, Calle 2, ...)

In den Straßen riecht es enorm nach Friteusenfett. Ganz viel wird einfach unter freiem Himmel zubereitet und überhaupt spielt sich vieles einfach unter Zeltplanen und Pavillions ab.

Was mir ganz schnell positiv aufgefallen ist, ist, dass es unglaublich viele VW- Käfer gibt, die sogenannten Vochos /Bochos. Oft werden sie auch als Taxis eingesetzt.

Am nächsten Morgen sind Maggie und ich noch einmal in die Stadt gefahren und da habe ich Bekanntschaft mit sehr kleinen, klapprigen Stadtbussen gemacht, die quasi weder Vorder- noch Hintertür haben. Ein ständiges Hop-on, hop-off. In der Stadt haben wir uns mit Avi getroffen, ein Freund von Maggie, der nun von Xalapa in den D.F. gezogen ist. Er hat zu mirgesagt, ich solle mir kein Hostel suchen, ich könnte doch bei seiner Freundin übernachten. Dann hat er kurz mit Citlal telefoniert und schon hatte ich eine Übernachtungsmöglichkeit. Diese ständige Hilfsbereitschaft ist allgegenwärtig und unübertrefflich.

Die Ubahnen sind ein Erlebnis. Wenn sie nicht gerade so vollgestopft sind, dass man eigentlich nur damit beschäftigt ist, den Kopf in die Höhe zu halten um zu atmen, kommen Verkäufer jeglicher Art herein: Verkäufer, die ihre Kaugummis aufs äußerste anpreisen, Verkäufer von Straßenkarten, Lesebrillen oder die Bibel als Hörspiel. Die mit der Bibel als Hörspiel haben dann einen Kassettenrekorder dabei, der eine mysthische Musik abspielt und plötzlich ertönt eine bedächtige Stimme und sagt so etwas wie „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Langweilig wird es also nie. Man bekommt ein wenig das Gefühl, eigentlich garnicht mehr irgendwo einkaufen zu müssen- die Ubahn ist der Supermarkt!! Oder es kommen viele Musiker und spielen Melodika oder Akkordeon.

Die Stadt ist zwischen Provisorium und majestätischem Palast ziemlich gegensätzlich. Es gibt sogar einen Stadtteil, Santa Fé, wo eine Schickeria-Zone mitten in den Slum hineingebaut wurde. Ich selbst war nicht da, aber Maggie hat es mir erzählt.

Der Bus in dem ich gerade sitze ist wirklich luxuriös. Und für eine 360 Kilometer-Fahrt nach Xalapa sind 250 Pesos nicht zu teuer. Wir sind aber schon einige Zeit unterwegs und nur ganz allmählich lichten sich die Häuser , sodass man das Gefühl bekommt wirklich auf der Autobahn unterwegs zu sein. Es ist bewölkt aber warm und je weiter wir fahren, desto mehr sieht die Landschaft nach Urwald aus

Hätte ich Maggie nicht gehabt, wäre ich erstmal relativ verloren gewesen. Aber statt verloren zu gehen, bin ich nun in Xalapa angekommen. Welch ein Glück!